Verbraucherschutz auf Abwegen

Der Bundesverband Verbraucherzentrale (vzbv) ist eigentlich für den Schutz von Verbraucherinteressen zuständig. Oft gelingt dies recht gut, manchmal geraten die Verbraucherschützer aber auch auf Abwege.

Verbrauchschutz sollte sich doch grundsätzlich darauf ausrichten, Verbraucher zu schützen. Lügen zu verbreiten und Benzin in einen Schmorbrand zu schütten sollte eigentlich nicht dazu gehören. Oder geht es dann darum, die eigene Mitschuld durch einen richtigen Brand zu verschleiern? Nun, das ist spekulativ. Spekulieren kann man auch nur, auf welcher Grundlage der Bundesverband Verbraucherzentrale Finanzanlageformen empfiehlt oder davon abrät. Ebenso rätselhaft ist es, warum ein Verbraucherschutz nicht verstärkt zukunftsweisende Dinge in seinen Arbeiten unterstützt. Echter Verbraucherschutz würde auch bedeuten, Fehler in der Politik beim Namen zu nennen, wann immer sich diese Fehlentscheidungen gegen die Verbraucher richten. Leider passiert dies nicht. Die Frage, welche sich einem dabei stellt, ist, ob der Verbraucherschutz nicht darf, nicht kann, nicht will oder ob dort schlicht Weitsicht und Verant­wortungsbewußtsein fehlen. Oder mangelt es an mathematisch-logischem Verständnis in Kombination mit wirtschaftlichen Gesichtspunkten?

Doch worum geht es hier eigentlich? Einerseits geht es darum, wie sich auch der (theoretische) Verbraucherschutz gegen das seit einigen Wochen verstärkt negativ in den Schlagzeilen stehende Unternehmen Prokon richtet. Ganz konkret geht es allerdings um ein aktuelles Interview mit der Verbraucherschützerin Dorothea Mohn, auf welches ich heute aufmerksam gemacht wurde. Es findet sich im Neuen Deutschland von diesem Wochenende und richtet sich erneut massiv gegen Prokon, gegen Genussrechte und dabei indirekt gegen zukunftsweisende Technologien und gegen die Anleger, die bei Prokon eine vergleichsweise sichere Anlage für ihr Geld gesucht haben.

Bedingt durch eine stetig zunehmende starke Hetzkampagne von Medien, “Verbraucherschutz” und Stiftung Warentest wurde ein Teil der Genussrechtsinhaber (GRI) zur Kündigung der Genussrechte bei Prokon gedrängt. Da das Geld selbstverständlich nicht einfach herumliegt, sondern um die versprochene Verzinsung zu erwirtschaften, investiert wird, ist selbstredend nicht unbegrenzt viel Geld liquide verfügbar. Dadurch bedingt sah sich Prokon gezwungen, seine Investoren gezielt über die falsche Berichterstattung aufzuklären und vor allem musste auch eine Aufforderung herausgehen, das Genussrechtskapital im Unternehmen zu lassen. Die Konsequenzen wurden unmissverständlich angesprochen, eine Planinsolvenz steht bevor. Dadurch bedingt kommt vorerst niemand Geld, bis das Unternehmen wieder konsolidiert wurde. Außerdem wurde auch klar gestellt, das gekündigtes Kapital und ungekündigtes Kapital selbstverständlich gleich behandelt werden. Es ist also auch Laien mit niedrigem Bildungshorizont deutlich gemacht worden, dass eine Kündigung das dämlichste ist, was man in dieser Situation tun kann. Selbstverständlich war das vorsichtiger formuliert, als ich es hier eben getan habe. Doch auch das ging dem Verbraucherschutz, der selbst eine Teilschuld an der Situation trägt, zu weit - angeblich wurden die Anleger durch Prokon unter Druck gesetzt und dafür reichte der vzbv eine Unterlassungsklage gegen Prokon ein. Das ist schon grotesk: Prokon erklärt seinen Anlegern unmissverständlich und gut begründet, was zu tun ist, um größere Schäden abzuwenden und der vzbv versucht, die Anleger davor zu schützen, sich selbst zu schützen.

Die Klage diente als Hintergrund für das Interview mit Dorothea Mohn. Sie bemängelt verschiedene Dinge, verdreht Tatsachen und liefert Falsch­informationen. Darauf gehe ich nun im Detail ein.

Zitat: “Wer doch an seiner Kündigung festhält, dem wird in diesem Schreiben quasi die Schuld für eine mögliche Insolvenz in die Schuhe geschoben.” - Selbstverständlich trifft die Kündigenden die größte Teilschuld, da besteht doch überhaupt kein Zweifel. Wie schon oben erwähnt, sind darüber hinaus auch die zahlreichen unbegründeten Negativ-Berichte der letzten Wochen und Monate mitschuldig und leider ebenso die Tatsache, dass Prokon inzwischen zu viel Kleingeld von wenig Gebildeten eingesammelt hat und dafür zu kurze Kündigungsfristen anbot. Letzteres Problem wird Prokon mit einer zukünftigen Vertragsanpassung angehen.

Danach spricht sie das Risiko an und wer genau hinschaut, sieht erneut eine viel zu negative Darstellung als stark risikobehaftete Unternehmensbeteiligung. Die Genussrechtsanlage ist bedingt durch den materiellen Gegenwert des ausgebenden Unternehmens im Normalfall, also ohne übertriebene Rückforderungen und bei solidem Geschäftsmodell, wesentlich sicherer als eine Geldanlage bei Banken oder in Aktien. Die sogenannte Verbraucherschützerin impliziert das Gegenteil. Zweifelsfrei bekommt man von vielen Genussrechtsanbietern relativ wenig Informationen und kann dadurch das Risiko nicht besonders gut einschätzen. Nur hat das herzlich wenig mit Prokons GRI-freundlicher Politik zu tun.

Direkt darauf folgt das Zitat “Wobei offen ist, ob heute überhaupt noch eine Kündigung zur Auszahlung führt.” Das ist schlicht und ergreifend falsch. Wie gesagt, steht sehr wahrscheinlich eine Planinsolvenz bevor. Laut Aussagen von Prokon verzögert sich dadurch die Auszahlung von gekündigtem Kapital um mindestens 6 Monate, es werden wohl eher deutlich mehr. Aber selbstverständlich kommt es zu einer Auszahlung, denn Prokon ist weit mehr wert, als Genussrechte vorhanden sind und die vorrangigen Bankenforderungen belaufen sich auf lediglich 4,5%. Umso mehr gekündigt wird, um so mehr muss später eventuell unter Wert verkauft werden. Die Erlöse werden ausgezahlt und entstandene Verluste auf alle gleichmäßig verteilt. Ein verstärktes Abwälzen der so entstehenden Verluste auf die Verursacher wird wohl leider nicht möglich sein. Aber vielleicht findet Prokon noch rechtliche Möglichkeiten, um alle Verursacher in gewissem Umfang zur Verantwortung zu ziehen.

Ihre Aussage “Ich halte diese Anlageform für Kleinanleger für gänzlich ungeeignet.” ist erneut mehr als nur fragwürdig. Gönnt sie den Kleinanlegern keine stabile, relativ gute Verzinsung ihres Kapitals bei eigentlich sehr geringem Risiko? Eine echte Gefahr besteht doch nur wie bei Prokon bedingt durch das leider zu kurze und zu verbraucherfreundliche Kündigungsrecht in Verbindung mit vielfältiger fehlerhafter Berichterstattung in den Medien.

Als Begründung für diesen Blödsinn liefert sie die Aussage “Mit Genussrechten gehen Anleger das Risiko eines Totalverlustes ein, bei einer Insolvenz erfolgt die Rückzahlung der Einlage des Genussrechte-Inhabers aber erst nach vollständiger Befriedigung aller anderen Gläubiger.” und zeigt damit erneut, dass sie kein Interesse an einer korrekten Darstellung von Prokon hat. Ein Totalverlust droht nämlich nur, wenn der veräußerbare Gegenwert unterhalb der vorrangigen Forderungssummen liegt. Da bei Prokon aber nur 4,5% vorrangig sind, der Wert des Unternehmens über 1,7 Mrd Euro gegenüber 1,4 Mrd Euro Genussrechtskapital beträgt, wird selbst im Extremfall und bei sehr schlechten Veräußerungserlösen (erwartungsgemäß Verkauf etwa 20-40% unter Wert) immer noch der größte Teil an die GRI ausbezahlt. Ein Totalverlust ist demnach ausgeschlossen.

Das nächste spannende Zitat ist “Im Gegensatz zu Genussrechten stellen Investmentfonds Sondervermögen dar und sind gesetzlich reguliert.”. Die gesetzliche Regulierung ist nur Makulatur, man bekommt bei solchen Anlagen wesentlich weniger Einblick in die Tätigkeiten, als dies bei Prokon der Fall ist. Das man selbst als Gläubiger vorrangig ist, mag zwar begrüßenswert wirken, nur bringt das wenig, wenn der Fond nicht vernünftig gemanaged wird. Bankenvertriebene Fonds sind zudem zumeist grundsätzlich nicht empfehlenswert, da dafür oft zu hohe Gebühren bei zu geringem Gewinn verlangt werden. Außerdem ist es kein besonderes Geheimnis, dass Banken und Finanzberater vorrangig das verkaufen, woran sie das meiste verdienen. Der Kunde steht nicht als Kunde im Mittelpunkt, sondern allenfalls als Geldquelle. Eine sinnvollere, aber nicht leichte Lösung ist es, sich selbst nach vertrauenswürdigen und rentablen Fonds umzusehen, die man über Depot-Banken selbst ordert. Um sich in geschlossene Wind-Fonds außerhalb des Bankenwesens einkaufen zu können, muss man schon eine Menge Kenntnisse mitbringen. Man kann mit solchen Fonds durchaus Renditen von 10-12% erwirtschaften, aber das dann auch bei wirklich langfristigen Anlagezeiträumen von 20-25 Jahren und Beteiligungen, die selten bereits im vierstelligen Bereich beginnen. Das verschweigt Frau Mohn an dieser Stelle, denn sonst wäre zu offensichtlich, dass ihr alternativer Vorschlag keines Falls für Kleinanleger geeignet ist. Jedem, der sich nicht in die wirklich interessanten großen Projekte einkaufen kann, würde ich dringend von jeglichen Fonds abraten. Da birgt meines Erachtens sogar ein vorsichtiger Umgang mit Aktien noch weniger Risiken. Wobei sich Anlagen in Aktien auch erst bei Einsätzen von wenigstens einigen tausend Euro pro Aktie lohnen und streuen muss man das auch noch. Aktien sind ebenso wie Fonds recht unbestritten kaum etwas für Kleinanleger.

Die diffamierende Falschdarstellung durch Frau Mohn gipfelt schließlich im Zitat “Prokon wandte sich mit seiner Werbung an Kleinsparer und das mit einem Produkt, das bestenfalls für Spekulanten geeignet ist, die sich bewusst auf die Risiken einlassen. Ich sehe hier eine erhebliche Verbrauchergefährdung, die der Staat eigentlich nicht zulassen darf.” Keine Frage, Prokon richtete sich auch an Kleinsparer und bedingt durch das exponentielle Wachstum Prokons und die damit inzwischen erreichte Größe wird wirklich ein sehr breites Publikum angesprochen. Viele davon verfügen nicht über die Fähigkeit zu selbständigem Denken und Handeln, haben sich völlig richtig von den Argumenten Prokons überzeugen lassen und bewirken nun leider durch die falsche Beeinflussung von anderen Seiten jetzt tatsächlich ein Risiko für Prokon. Dennoch ist das “Produkt” als solches in keinster Art und Weise spekulativ und wie schon weiter oben dargestellt, ist es nüchtern betrachtet eher risikoarm. Erst die jetzige Hetze macht es riskant - kein Unternehmen kann unternehmerisch tätig sein, Gewinne erzeugen und gleichzeitig liquide Mittel in solchen Mengen vorhalten, wie es durch diese Hetze aktuell notwendig ist. Anderen Anlageformen ein geringeres Risiko zusprechen zu wollen, ist verlogene Heuchelei und wirklich eine Verbrauchergefährdung. Für konstruktive Gespräche wäre sicherlich auch Prokon bereits im Vorfeld offen gewesen. Auf die Gefahren durch die zu kurzen Laufzeiten und die zu niedrigen Einstiegssummen hätte der Verbraucherschutz auch vorher im offenen Gespräch eingehen können. Aber dafür fehlte wohl auch dort die Fähigkeit, in die Zukunft zu schauen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Dorothea Mohn vom vzbv entweder keine Ahnung von dem hat, was sie tut oder sie handelt vorsätzlich im Interesse anderer Unternehmen und gegen die Interessen der Anleger. In jedem Fall wäre es im Sinne der Verbraucher das Beste, wenn sich Dorothea Mohn nach einem hervorragend gebildeten, verantwortungsbewußten Nachfolger umsieht und selbst ihren Hut nimmt. Das wäre echter Verbraucherschutz.

Eine Reaktion zu “Verbraucherschutz auf Abwegen”

  1. admin

    Prokon hat übrigens am letzten Freitag eine weitere P3000-Anlage fertig gestellt. Dabei handelt es sich um eine getriebelose 3MW-Windenergieanlage aus Eigenentwicklung.
    Diese P3000-Anlage ist für künftige Windparkbetreiber, Anleger, indirekt auch Stromkunden und zum Wohle unserer Umwelt sehr erfreulich.
    Mit Innovation und Fortschritt macht man sich in der Wirtschaft allerdings nicht nur Freunde. Es gibt nur wenige Dutzend Produzenten zuzüglich einiger Zulieferer für Windenergieanlagen und jeder beansprucht seinen Teil vom Kuchen. Hoffen wir, dass diese dem neuen Mitspieler die Eigenentwicklung gönnen.

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