Apple iPhone 5S und 5C

Eine Erfolgsgeschichte scheint sich dem Ende zu neigen. Bereits seit letztem Jahr geht es nicht mehr vorwärts wie in den Jahren zuvor, auch gut erkennbar am Aktienkurs … Seit Mitte diesen Jahres erholte sich selbiger zwar wieder etwas und vor wenigen Wochen stieg mit reichlich Effekthascherei der Großinvestor Icahn bei Apple ein. Trotzdem warteten viele gespannt auf das, was Apple gestern Abend an Innovationen vorstellen wollte. Doch die frisch vorgestellten neuen iPhones zeigten an der Börse ganz deutlich, was viele Anleger und bisherige Apple-Fans von Apples neuen Ideen halten: sehr wenig. Technisch sind die Geräte nicht schlecht. Wer sich mit der zugehörigen Produktpolitik (Inkompatibiläten zum Rest der Welt etc.) abfinden kann, bekommt schon etwas geboten. Nur stimmt das Preis-Leistungsverhältnis vorn und hinten nicht.

Wirklich herausragend am Modell 5S ist nur der 64-Bit-Arm-Quad-Core. Dabei handelt es sich immerhin um den ersten 64-Bit-Prozessor in einem Smartphone, Hut ab Apple. Der Prozessor soll mehr als doppelt so schnell sein wie der alte aus dem iPhone 5 und auch der Grafikprozessor soll gegenüber dem Vorgängermodell etwa doppelt so viel Dampf haben. Damit ist das Telefon in diesen beiden Punkten also wieder mit der Konkurenz gleichgezogen oder hat vielleicht sogar einen kleinen Vorsprung. Allerdings ist die Rechenleistung der akteullen Highend-Smartphones überhaupt nicht notwendig, kein aktuelles Programm lastet das aus - entwickelt wird schließlich für die breite Masse und nicht für den deutlich kleineren Markt der Top-Modelle. So gibt es auch Android-Smartphones mit 2.2GHz Quad-Core, aber schon mit einem 1,2 GHz Dual-Core bekommt man nahezu alles superflüssig hin, beim Nexus 4 mit 4x 1.5 GHz kann ich auch absolut keine Ruckler feststellen, egal was ich tue. Aber gut, mehr Leistung ermöglicht perspektivisch auch mehr Möglichkeiten und als Verkaufargument zieht das immer. Positiv zu erwähnen ist auch die umfangreiche Frequenz-Unterstützung für das hierzulande noch nicht sehr weit verbreitete LTE (vor allem fehlen sinnvolle Tarife dafür). Der Rest der Neuerungen (z.B. eine verbesserte Kamera mit Doppelblitz) hingegen ist eher bescheiden. Da der Formfaktor identisch bleibt und Apple nichts am Display geändert hat, bleibt dieses wie beim iPhone 5. Es bietet also eine gute, aber für High-End nicht mehr zeitgemäße Auflösung von nur 1136 × 640 Pixeln und das bei einer sehr kleinen Bildschirmdiagonale von gerade einmal 4 Zoll. Das iPhone bleibt also etwas für sehr kleine Hände und Finger mit einem bißchen Spielzeugcharakter. Der neu integrierte Fingerabdrucksensor ist auch nichts weiter als überflüssiger Schnickschnack. Sicherheit bietet das Ding vermutlich genauso viel, wie all die anderen ähnlichen Sensoren in gängiger Consumer- und Business-Elektronik. Einen kleinen 4-stelligen Code einzugeben, dürfte mehr bringen und auch nicht viel länger dauern. Egal, manch einer wird es toll finden.

Um es auf den Punkt zu bringen: Im direkten Vergleich mit den aktuellen Highend-Geräten von Samsung, HTC und LG kann das iPhone 5S nur von der Rechenleistung her punkten. Sonst ist es im Vergleich mit anderen Geräten der Konkurrenz vor allem bei der Auflösung, dem verwendeten Display und der Konnektivität weit abgeschlagen. Insofern wäre ein Preis von ca. 500,€ wie bei den anderen Highend-Smartphones, gerade noch gerechtfertigt.

Nur den Preis, den Apple für das Gerät verlangt, den kann wirklich niemand als verhältnismäßig oder angemessen bezeichnen. Es dürfte selbst eingefleischten Apple-Fans schwer zu vermitteln sein, warum dieses Gerät satte 700 Euro in der Version mit 16 GB kosten soll, 800 €€ mit 32 GB und satte 900€ € sind für die Version mit 64 GB Flash€ fällig. Sorry, aber ein besseres Galaxy S4 mit einer zusätzlichen 64-GB-Karte kostet keine 600 €€, wie kommt Apple dann auf 900 €€ ? Wunschtraum, Phantasie oder einfach nur die Idee, die Early-Adaptors richtig abzuzocken, um in ein paar Wochen moderatere Preise anzubieten? Wenngleich die Mobilfunkanbieter in teuren Tarifen das Einstiegsgerät vermutlich für um die 200€ € (zzgl. Unsummen an monatlichen Beiträgen) anbieten werden, ist der normale Verkaufspreis jenseits von Gut und Böse.

Noch merkwürdiger sind die Preisvorstellungen für die kleine Variante mit dem C - das iPhone 5C ist technisch auf dem Stand des alten iPhone 5, nur eben mit bunten (billigen) Plastikschalen versehen, etwas abgerundeter (dadurch evtl. nicht kompabiel zu dem sonstigen teueren alten iPhone-Zubehör) und das Ding wurde im Vorfeld als billige Einstiegsalternative erwartet. Entsprechend lag im Vorfeld auch die Erwartungshaltung zum Preis bei vielen in Bereichen von um die 300€-400 € , ohne technische Details zu kennen. Da überraschte es wohl alle Interessierten, als Apple die Geräte auf Niveau des technischen Mittelfeldes für satte 599-799€ € (16, 32 oder 64 GB Flash) anbietet. Das iPhone 5C ist technisch dem Google Nexus 4 unterlegen und kostet trotzdem deutlich mehr?

Da kann es doch eigentlich niemanden wundern, das der Aktienkurs gleich am ersten Verkaufstag der neuen Geräte um 6% (zwischenzeitlich waren es sogar um die 7,5%) nachgibt. Apple hat mit der neuerlichen Überheblichkeits-Aktion wohl nicht nur seine Konkurenten und Gegner schockiert, sondern auch das eigene Lager. Ich hoffe die Aktie erholt sich wieder, ich habe davon auch ein paar, weil ich mir eigentlich deutlich positivere Effekte von den neuen Apple-Produkten versprochen hatte.

Eine Reaktion zu “Apple iPhone 5S und 5C”

  1. admin

    Heute kaufte der Großinvestor Icahn wieder Apple-Aktien nach und gab dies wie bei ihm üblich auch im Internet bekannt. Dadurch erholte sich der Kurs wieder um knappe 0,8%. Eigentlich ein guter Einstiegszeitpunkt, wenn man darauf setzt, dass Google nicht zu viele Leute mit den aktuellen Preisen vergrault. EInige interessante andere Produkte kann man in den nächsten Monaten durchaus noch von Apple erwarten. Immerhin gibt es da Gerüchte um iPhones mit größerem Display und auch den kommenden Megatrend SmartWatches wird Apple wohl bald mit einem eigenen Produkt beglücken.

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