Microsoft kauft Nokia Mobile

Sowohl Microsoft als auch Nokia glänzten die letzten Jahren in keinster Art und Weise im Smartphone- und Tabletbereich. Nokia baute mehrfach heftig Mist, verschlief verschiedene Smartphone-Entwicklungen, erdete seine durchaus erfolgversprechenden eigenen Betriebssysteme (Symbian z.B. lief doch gut …) und machte sich hier in Deutschland vor 5 Jahren wenig Freunde mit damals unnötigen Werksschließungen und Abwanderung vom Standort Deutschland (siehe Nokia-Produktion in Deutschland vor dem Ende). Seit dem habe ich nur wenige ITler gesehen, die dies Nokia verziehen haben und sich mit deren Produkten der letzten Jahre anfreunden konnten. So schaffte Nokia das eigentlich unmögliche und verabschiedete sich vom einstigen Status als Marktführer in der Mobiltelefon-Branche zu einem der Schlußlichter.

Auch Microsoft hat sich den Kuchen komplett von der Android-Welt mit den Spitzenreitern Samsung, LG, HTC, Sony usw. sowie Apple entreißen lassen. Zwar haben die Redmonder sich bereits einige Krümel mit Nokias Hilfe zurückholen können, aber so richtig mag das bisher nicht klappen.

So stehen zwei Riesen da und sehen ihre Felle wegschwimmen und Nokia ist nach seinen schweren Fehlern ohne Microsofts tatkräftige UNterstützung völlig angeschmiert, so viel ist schon seit längerem klar. Doch geht Nokia unter, ist auch Microsofts Versuch, wieder einen Fuß in die Tür zur Welt der Smartphones zu bekommen, gescheitert. Die wenigen nicht Nokia-Phones mit Windows-Phone-Betriebssystem sind nämlich durchaus vernachlässigbar, etwa 7/8 der Geräte stmmen von Nokia.

Da war das, was die beiden Konzerne gestern bekanntgaben, eigentlich nur die logische Konsequenz: Microsoft kauft Nokia Mobile (die Geräte- und Dienstleistungssparte) sowie Patente und Lizenzen für etwa 5,3 Mrd Euro. EIn Teil der Patente und Lizenzen (z.B. Namensrechte an Nokia, Lizenzen von Samsung, Google u.a.) ist “nur” befristet, aber dennoch für die große Menge an vorhandenen Dinge ein Schnäppchen. Auf diesem Wege schaffen es beide, sich vor weiteren Verlusten zu schützen und Microsoft hat doch noch eine faire Chance, mehr als die Krümel aus der heutigen Consumerelektronik zu bekommen. Noch ist nicht alles in Sack und Tüten, die Aktionäre müssen noch zustimmen (werden sie aber mit Sicherheit) und Kartell-Behörden wollen auch noch ein Wörtchen mitreden. Im Endeffekt wäre damit ein neuer Riese geschaffen, der das nachmacht, was ihm Apple und Google mit seinen Partnern seit Jahren vormacht: größer denken und handeln. Etwas, was eigentlich gerade Microsoft nicht schwer fallen sollte. Immerhin versprechen sich Analysten einen zweistelligen Microsoft-Marktanteil im Smartphone-/Tabletbereich durch diesen Aufkauf. Auch die Börsen reagierten gleich: die Nokia-Aktie legte drastisch zu, merkwürdiger Weise fiel allerdings Microsoft ab. Auch wenn die Redmonder damit einige Milliarden von ihren Auslands-Niederlassungen abziehen (und so auch reichlich Steuern sparen), so ist der Zukauf wohl deutlich mehr wert, als hingelegt werden muss und letztlich wird der Wert von Microsoft und somit auch deren Aktie in den nächsten 2-3 Jahren vermutlich enorm zulegen. Nun, man muss nicht alles verstehen, was an der Börse passiert. Viel spannender wird es, zu beobachten, was Microsoft aus diesem Deal macht.

Wenngleich so mancher Apple-Fan bei Apple bleiben wird und viele der inzwischen wirklich Unmengen von Android-Usern auch bei Android bleiben werden: Der überwiegenden Mehrheit wird das zugrunde liegende Betriebssystem egal sein. Viele lassen sich von Werbung locken (das half bekanntlich auch Apple mit den ersten iPhones und iPods - besser als die Konkurrenz waren sie schließlich nicht) und manch einer wird sogar bewußt Microsoft kaufen, weil er sein Desktop-Windows so toll findet. So wird dieser neue große Spieler die Karten neu verteilen können und noch etwas mehr Leben in das Geschäft bringen.

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