Offshore-Windenergie - Lobgesänge auf frisch erreichte Meilensteine

Heute gab es gleich mehrere Meldungen zu den bundesdeutschen Offshore-Experimenten.

Im “Cuxhavener Appell” richteten sich Minister, Senatoren, Bürger­meister, Industrie und Gewerk­schafter mit einem Forderungs­katalog an die Bundes­regierung. In der Presseinformation externerLink auf der Webseite des Landes Niedersachsen heißt es dazu “Die Offshore-Windenergie leistet einen substanziellen und zuverlässigen Beitrag zur Energiewende. Sie liefert einen essenziellen Baustein, ohne den Deutschland seine engagierten Umwelt- und Klimaziele nicht erreichen wird und stellt zudem ein nachhaltiges, industrie­politisches Zukunftsfeld für den Standort Deutschland dar. Die Produkte markieren weltweit den Stand der industriellen Technik.” Es wird Planungs­sicherheit gefordert und damit einhergehend der Schutz sowie die weitere Förderung der Investitutionen. Laut heise.de sollen angeblich um die 18000 Jobs schon heute von der Offshore-Windenergie abhängen. Planungssicherheit ist wichtig, aber gerade bei Offshore sollte endlich mit deutlichen Worten zusammengestrichen werden. Das Angefangene fertig stellen und dann mit effizienteren Dingen weitermachen, das sollte die Lösung sein.

Keine Frage, es hängen inzwischen eine Menge Arbeitsplätze an den Offshore-Projekten, aber die meisten davon sind ohnehin nur temporär dort angesiedelt. Ohne Offshore würden viele auch in anderen Bereichen der erneuerbaren Energien, wie der normalen Windkraft an Land, unter­kommen. Also als Argument zieht das nicht. Ohnehin gilt, desto stärker man die Arbeit verteilt, umso mehr Arbeits­plätze schafft man damit - auch das würde also für mehr kleinere Projekte sprechen. Die Offshore-Windenergie gilt seit Jahren als gewaltiges Risikogeschäft. In diesem Bereich zu forschen und kleine Projekte zu realisieren ist dennoch durchaus sinnvoll. Anschub­finanzierungen für Forschung und Entwicklung sind stets eine gute Idee, so auch hier. Nur die von schwarz-gelb erträumten Mammut­projekte sind der totale Irrsinn. Warum werden Offshore-Kraftwerke eigentlich stärker gefördert, als normale Windkraftwerke an Land? Sicher, die Wind­kraft an Land ist schon lange ausgereift und dennoch geht auch dort die Froschung immer weiter und die Effizienz wird gesteigert. Warum also direkt und indirekt Steuer-Milliarden versenken? Die Größen­ordnung ist mit gesundem Menschen­verstand niemandem erklärbar und schon gar nicht dem normalen Energiekunden. An Land produzierter Wind-Strom kostet nur die Hälfte dessen, was der Offshore-Strom kostet. Nachlesen kann man das überall, wo abseits der Politik ernsthaft über die Alternativen berichtet wird. Größte mir bekannte Informationsquelle zu Preisen im Energiemarkt und diversen anderem Hintergrundwissen ist übrigens PROKON externerLink (siehe die derzeit 50 Rundbriefe) als ein langsam aus dem mittelständischen herauswachsendes Unternehmen der Erneuerbaren Energiebranche. Hinzu kommt das seit Jahren angesprochene Problem des Transportes des im Norden per Offshore erzeugten Stromes in die südlichen Regionen, wo er benötigt wird. Warum bitte wird nicht der bisherige - von vielen Stellen als optimal beschriebene - Weg der starken dezentralen Energie­erzeugung für die Erneuerbaren konsequent weiterverfolgt? Nördlich der hügeligen/bergigen Regionen gibt es schon heute viele lohnenswerte Windkraft­werke und imm Süden liefern Solar­anlagen etwa 30% mehr als im deutschen Norden. Alternative Möglichkeiten bestehen also reichlich und das Problem der Speicherung haben bisher alle. Da fragt man sich so einiges, z.B. warum wurde letztes Jahr durch grandiose Fehler in der schwarz-gelben Politik die deutsche Solarbranche heftig gegen die Wand gefahren? Warum kam schwarz-gelb erst nach Fokushima zur Besinnung und revidierte den wenige Monate zuvor gemachten schweren Fehler der Laufzeit­verlängerung für deutsche Atom­kraftwerke? Ist es nur gewaltiges Unwissen gepaart mit der Unfähigkeit zu logischem Denken, was unsere Politiker antreibt oder steckt schlicht und ergreifend grandiose Lobbypolitik dahinter? Ich denke, es ist eine Kombination aus beidem. Wer bitte verdient an den großen Kraftwerken, sei es Atom oder Offshore? Natürlich vorrangig die alten Großkonzerne, aber auch vereinzelt mittelgroße Energieversorger. Dezentrale Energieerzeugung mit vielen kleinen Wind- und Solarkraftwerken hingegen spielt eher kleinen Investoren und Privatleuten Geld in die Tasche. Das ist natürlich nicht im Interesse der Großen … und auch nicht im Interesse ihrer Vertreter aus der Politik. Daneben gibt es natürlich diverse Politiker ohne direkte Lobby­verbindung, die dann durch Fraktions­zwänge oder auch mangels eigener logischer Fähigkeiten (wie viele echte Naturwissenschaftler gibt es eigentlich in der Politik?) ihren Parteifreunden wie die Lemminge folgen.

Womit wir auch gleich beim nächsten Thema sind. Per dpa ging vorhin eine Meldung herum, dass unser Bundeswirtschafts­minister Philipp Rösler (FDP) den Nordsee-Meereswindpark Bard Offshore 1 eingeweiht hat. Bereits seit 2010 wird der erste Strom eingespeist, nun ist der Windpark mit 80 Windkraftwerken und einer Leistung von 400 MW fertig. Gekostet hat das Projekt 2 Mrd Euro. Die gleiche Leistung bekommt man an Land inzwischen übrigens für unter 400 Mio Euro. Das Projekt ist also nur um den Faktor 5 unrentabler, Respekt. Die reinen Eckdaten hingegen sind schon beeindruckend: ganze 100 km von der Küste entfernt wurden die Kraftwerke an einer Stelle errichtet, wo das Meer 40 m tief ist. Das komplette Projekt entspringt deutscher Ingenieurskunst, auch das ist schön. Trotzdem muss dieses teure Versuchsobjekt irgendwie finanziert werden: über Strom­preise und Steuern, wie denn sonst. Und die anderen überteuerten Offshore-Projekte kommen noch dazu. Der Geschäftsführer der Windparkgruppe lobpreiste seinen Park mit den Worten “Ohne diese leistungsstarken Windparks in der Nordsee ist der Atomausstieg nicht umsetzbar”. Das ist doch lächerlich und lässt sich (hoffentlich) nur einem durchschnittlichen Bild-Leser für bare Münze verkaufen. Auch der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) log das sich die Balken biegen (oder freundlicher ausgedrückt: er übertrieb gewaltig), als er verlautbarte “Offshore ist der Eckpfeiler der Energiewende“.

Ebenfalls von heute ist eine Meldung beim Spiegel: “Siemens hat mit gut einem Jahr Verspätung die erste Station für die Anbindung des Nordsee­windparks Helwin 1 vor Helgoland fertiggestellt. Die Verzögerung hat den Konzern gut 700 Millionen Euro und die Gewinnprognose gekostet.” Na geht doch voran und der Spaß sieht auch wieder sehr preiswert aus. Immerhin kostet das den Energiekunden nichts direkt, nur Steuern zahlen Siemens und seine Aktionäre wohl in der nächsten Runde etwas weniger. Wer davon profitiert, kann ich nicht beurteilen, vielleicht ist das auch ein volkswirtschaftliches Nullsummenspiel, bei dem das Geld im großen Bereich nur etwas anders verteilt wurde. Dennoch ist die Tendenz wieder eindeutig: Offshore ist zu teuer und birgt zu viele Risiken - auch in der Laufzeit, mangels Erfahrung.

Bleibt noch eine Frage: Was kann man als Einzelner gegen Offshore tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Man kann sich sicherlich Vereinen oder Parteien anschließen, die gegen Offshore sind, man kann auch die eigenen regionalen Politiker dazu ansprechen, Leserbriefe schreiben, Texte im Internet veröffentlichen … Die einzig wirklich effiziente Lösung ist aber, den Großkonzernen und ihrer Lobby das Geld wegzunehmen. Dafür gibt es drei einfache Lösungen: Die erste ist, zu einem Stromversorger wechseln, der in dem Spiel nicht mitmischt. Die zweite Lösung kann leider nur nutzen, wer dafür auch Flächen zur Verfügung hat: selbst zum Stromerzeuger werden. Trotz zusammengestrichener Förderungen lohnt sich Solarstrom und das inzwischen bei Eigennutzung sogar ohne Förderung. Mit teilweiser Einspeisung leistet man so einen guten Beitrag zur echten Energiewende. Die dritte Lösung wird auch nicht jedem möglich sein, ist aber die wohl effizienteste: Beteiligungen an größeren Projekten, sprich große Solarkraftwerke oder auch an Windenergieanlagen. Oben hatte ich bereits Prokon erwähnt, es gibt aber auch andere kleine Anbieter. Etwas Vorsicht ist geboten, denn ein gewisses Risiko ist bei einer Beteiligung natürlich immer dabei. Deshalb gründlich informieren, aber wer kann, sollte die Chance nutzen!

2 Reaktionen zu “Offshore-Windenergie - Lobgesänge auf frisch erreichte Meilensteine”

  1. admin

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  2. admin

    Das Offshore-Vorzeige-Unternehmen Bard wirft die Flinte ins Korn. Bedingt durch die extremen Verzögerungen beim Bau wegen unzähliger technischer Probleme und vor allem auch bedingt durch die fehlenden Folgeaufträge wird das Unternehmen seine Tätigkeiten einstellen. Nun, wer will schon in eine derart unrentable und unsichere Art der Stromerzeugung investieren? Scheinbar doch deutlich weniger, als uns manche Politiker weiß machen wollten.

    Der bereits realisierte Windpark Bard Offshore 1 wird weiterbetrieben, vermutlich von einer neuen Firma. Bard selbst hingegen wird wohl alle Türen schließen und die Firmenlichter ausschalten.

    So traurig diese Nachrichten für die Bard-Mitarbeiter sind und so schlecht diese Nachricht auch für manch anderen auf Arbeit in der Branche hoffenden Norddeutschen sein mag, so gut ist diese Nachricht für die breite Masse. Damit wird der Blödsinn, den auf Bundesebene CDU/FDP und im Norden auf Landesebene auch von der SPD solange schöngeredet und als einzig akzeptable Lösung vermarktet wurde, endlich ganz offensichtlich als Fehler abgestempelt. Genau das hatten schon seit Jahren diverse Experten, die nicht an Offshore verdienen oder von den großen deutschen Energieversorgern irgendwie finanziell gefördert werden, immer wieder kund getan.

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