Günstiger Powercruncher

Im Folgenden stelle ich einen günstigen Rechner vor, der zwar nicht High-End ist, aber durchaus im oberen Mittelfeld mitspielen kann und das obwohl die Maschine bereits etwa 1/2 Jahr auf dem Buckel hat und die meisten Komponenten recht günstig waren. Es muss halt nicht immer das teuerste sein, der Preis-Leistungssieger tut’s auch. Die Komponenten wurden außerdem so ausgewählt, dass möglichst viel von AMD enthalten ist und zwar aus drei Gründen:

  1. AMD-Hardware ist wirklich gut und auch wenn die meiste Software eher Intel-optimiert ist und Intel durchaus oft schnellere Technik bietet, so kann AMD auf jeden Fall wesentlich besser beim Preis punkten
  2. AMD ist der größte Konkurrent zu Intel und Konkurrenz belebt das Geschäft und sorgt damit auch für niedrige Endverbraucherpreise
  3. AMD produziert reichlich Technik in Dresden und fördert somit den Standort Deutschland

Vorschau: AMD ausgereizt im silbernen GewandDoch kommen wir zur eigentlichen Technik, die teilweise auch auf den Fotos ersichtlich ist. Als Gehäuse wurde ein etwa 5 Jahre alter Antec Lanboy verwendet. Dabei handelt es sich um ein schickes silberfarbenes Aluminiumgehäuse, zu dem eine (nicht montierte) Seitenwand mit großem Plexiglasfenster gehört. Auch das ursprüngliche 300-Watt-Netzteil von Antec mit zwei blau beleuchteten 8er Lüftern ist nicht mehr enthalten, da es frühzeitig das Zeitliche gesegnet hatte. Als Stromlieferant dient jetzt das moderne Netzteil Corsair HX520W mit über 80% Effizienz und einem 12-cm-Lüfter, der zumindest bei relativ niedrigen Temperaturen im Netzteil sehr ruhig läuft.

Beim Mainboard handelt es sich um ein ASRock AOD790GX/128M mit den Chipsatz-Bausteinen AMD 790GX und SB750. Das Mainboard bietet mit seiner onBoard-Grafikkarte Radeon 3300 und 128MB SidePort-Speicher Vorschau: AMD OverDrive - Diagram zumindest für einfache 3D-Spiele (z.B. Nexuis, Sauerbraten) ausreichend Leistung. Verwendet man diese onBoard-Grafik, so steht eine sehr stromsparende Lösung zur Verfügung. Ergänzt man das Board durch eine seperate Grafikkarte, so ist es aber definitiv zu teuer. Das AM3-Mainboard ist aber eines der wenigen, die bei einem Teil der Phenom-2-X3-720BE-Prozessoren aus Kalenderwoche 4 des Jahres 2009 (Beschriftung 0904…) den deaktivierten 4. Kern freischalten kann. Außerdem bietet das Board sehr umfangreiche Einstellmöglichkeiten und zahlreiche Optimierungen, die man in früheren (vor allem besonders billigen) ASRock-Boards stets vermisst hatte. Auch in der Stabilität kann dieses Mainboard überzeugen.

Als Herzstück des Rechners verrichtet so auch ein AMD Phenom II 720 BE seinen Dienst. Zwar konnte bei diesem Prozessor der 4. Kern nicht freigeschalten werden, aber dafür läuft er bei ausreichender Kühlung mit bis zu 3.4 GHz auch unter Vollast stabil - statt 2.8 GHz Standardtakt. Mit dem mitgelieferten boxed-Kühler und offenem Gehäuse konnten 3.2 GHz erreicht werden. Hierzu wurde auch die vCore auf das Maximum von 1,425V angehoben. Dadurch bedingt wird diese CPU unter Vollast ab etwa 47-49° instabil. Da nicht jede Vollastbelastung gleich ist, schwankt der Wert. So stieg im Test beim Boinc-Projekt SIMAP die Temperatur bei 3.4 GHz auf 49°C und der Rechner blieb stabil; beim World Community Grid hingegen kam es schon ab 47°C regelmäßig zu Abstürzen. Letztlich läuft die CPU nach dem Einbau der zusätzlichen Grafikkarte mit reichlich Wärmeabgabe und einigem Herumprobieren derzeit mit 3.3GHz absolut stabil auf 47°C bei 23°C Raumtemperatur bzw. ca. 44,5°C bei 22°C Raumtemperatur. Der Prozessor hat Dank seiner nunmehr ca. 10 GHz eine auf den aktuellen Preis von unter 100€ bezogene sehr hohe Rechenleistung. Vergleicht man die Maschine z.B. mit einem auf Standardtakt laufenden und wesentlich teureren Intel Core i7 920 (4 Core mit HT, also 8 virtuelle Cores bei 2.66 GHz), so ist letzterer unter Boinc bei SIMAP nur ca. 25% schneller, bei WCG allerdings um die 60%. Aber auch dabei hat der Phenom 2 X3 noch ein äußerst interessantes Preis-Leistungsverhältnis. Ohnehin ist der X3 bei den aktuellen Preisen nicht mehr unbedingt der Favorit für leistungshungrige Sparfüchse, der Prozessor dient eher als kostengünstiger Prozessor für stromsparende und gute Mittelfeld-Rechner mit reichlich Reserven nach oben.

Vorschau: AMD OverDrive - System Information mit Phenom II X3 720.Vorschau: AMD OverDrive - Performance Control - Übertaktung leicht gemacht.Vorschau: AMD OverDrive - CPU Status - Rechenstarke Heizung

Als Arbeitsspeicher wird für 1100 MHz freigebener OCZ-Speicher verwendet, der auf 1066 MHz getaktet ist. Es handelt sich dabei um 2 CL5-Module mit je 2 GB.

Vorschau: AMD OverDrive - Radeon 4850 mit StandardtaktKürzlich wurde der Rechner um eine PCIe-Grafikkarte erweitert, selbstredend auch wieder ein AMD-Produkt. Es handelt sich dabei um eine Saphire Radeon 4850 mit 1024 MB DDR3-RAM, die von 625 MHz Core-Takt und 980 MHz Speichertakt auf stabile 760 MHz Coretakt bei 1000 MHz Speichertakt ohne Anhebung der Spannung übertaktet wurde. Damit liegt die Karte im Geschwindigkeitsbereich einer serienmäßigen Radeon 4870. Durch Übertaktung wird bei der Saphire-Karte Vorschau: AMD OverDrive - Radeon 4850 auf 750 MHz übertaktetautomatisch der Lüfter hochgeregelt. Die Karte versucht, die GPU bei etwa 67°C einzupegeln und dazu rotierte der Lüfter je nach Umgebungstemperatur mit etwa 1300-1450 Umdrehungen pro Minute, was etwa 43-48% der maximalen Lüftergeschwindigkeit entspricht. Bei ordentlicher Übertaktung können es auch einige Grad und auch Umdrehungen mehr werden. Bekanntlich können Grafikkarten aber weit höhere Temperaturen ab als CPUs. Bei deutlich über 70°C sollte man aber trotzdem das Übertakten beenden, mal ganz davon zu schweigen, dass ein voll drehender Grafikkartenlüfter meist unerträgliche Geräusche verursacht.

Als Kühlung werden ausschließlich Lüfter verwendet. Unter dem 12er Lüfter des Netzteils ist ein 12er Papst-Lüfter auf einem 8-cm-Adapter montiert und pustet die warme Luft vor allem von der CPU aus dem Gehäuse raus. Der boxed-Kühler wurde durch einen Thermaltake GunMetal Orb ersetzt. Dieser Kühler ist wesentlich größer und macht trotz der lediglich 17 dB(A) (Herstellerangabe) deutlich mehr Krach, als der von AMD mitgelieferte Kühler. Dafür bekommt man aber auch Dank der Umwälzleistung von 132,3 m³/h eine wesentlich bessere Kühlung realisiert. Die Montage war dabei sehr knapp: Der links daneben liegende 12er Gehäuse-Lüfter ist durch den Adapter bedingt nur etwa 1mm vom CPU-Kühler entfernt. Zusätzlich saugt noch ein 8er Papst-Lüfter von vorne Frischluft an und schiebt diese vorrangig in Richtung der Grafikkarte mit ihrem 12er Lüfter. Da so auch kühle Luft an der Western Digital 500-GB-GP vorbeikommt, wird diese nicht mal lauwarm. Da der Rechner permanent unter Vollast sowohl in CPU als auch in der GPU läuft, muss das Gehäuse trotzdem offen bleiben, um die CPU nicht in instabile Bereiche zu überhitzen. Die Geräuschkulisse ist trotz allem erträglich. Ordentliche Rechenleistung geht nun mal nicht geräuschlos.

Das reine Aufrüstkit mit Mainboard+CPU+Speicher kostete Mitte April diesen Jahres etwa 310€ (inkl. Umsatzsteuer). Inzwischen dürfte man ähnliche Technik für etwa 250-270€ bekommen oder alternativ nimmt man für etwa 300€ halt ein Aufrüstkit mit AMD Phenom II X4 955 BE. Die Radeon 4850 kostete zum gleichen Zeitpunkt etwa 154€ brutto; diese bekommt man inzw. für etwa 90€ oder alternativ kann man auch die fast genauso schnelle, aber sparsamere 4770 für ca. 80€ erwerben. Der dicke Kühler kostet knappe 30€ und ist für OverClocker sein Geld auf jeden Fall wert - Normalanwender sollten aber lieber darauf verzichten. Auch möchte ich Neulinge im Übertakten darauf hinweisen, dass man dadurch in der Regel jegliche Garantieansprüche verliert.

Bei Gelegenheit wird dieser kleine Testbericht noch um den Stromverbrauch unter verschiedenen Situationen ergänzt.

Eine Reaktion zu “Günstiger Powercruncher”

  1. admin

    Da ich mir grad selbst zwei Radeon 4770 bei Amazon bestellt habe, hier mal der Link dazu: Amazon Saphire Radeon 4770 externerLink. Amazon ist zwar oftmals etwas teurer und man bekommt dort auch nicht alles, aber bei bestimmten Produkten lohnt es sich doch, dort vorbeizuschauen. Vor allem, wenn man nur einzlne Sachen bestellen will, hat man dort den Vorteil, dass die Versandkosten meist inklusive sind. So kostet die Radeon 4770 aktuell ca. 85€ inklusive Versand und bei mir klappte der Versand bisher bei gut einem Dutzend Einkäufen auch absolut reibungslos. Das schöne am baldigen Austausch meiner 4850 gegen die beiden 4770: etwa gleicher Stromverbrauch bei knapp 100% mehr Rechenleistung im Standardtakt. Jenachdem wie weit sich die beiden übertakten lassen, erwarte ich effektiv irgendwas zwischen 50% und 80% mehr Rechenleistung, da meine 4850 mit Standardkühlung und Standardtakt ungewöhnlich hoch getaktet werden konnte, was bei den zwei neuen Karten vermutlich nicht gegeben sein wird.
    An Stelle des oben erwähnten Phenom II X3 720BE (aktueller Preis ca. 95€) kann man - so man auf die Black Edition verzichten kann - auch einen Phenom II X4 925 (2.8 GHz) oder 945 (3.0 GHz) für etwa 110-125€ erwerben. Beide Prozessoren sind wie der 720er mit 95W TDP angegeben, bieten aber einen Core mehr.

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