Eigenwillige Suchmaschinenlogik

Wir kennen das ja zur Genüge: Programme aus dem Microsoftlager und andere große Programmpakete versuchen seit Jahren, mehr oder weniger sinnvolle Vorschläge zu Problemlösungen anzubieten. Viel zu oft sind diese leider weniger sinnvoll. Das schlimmste Beispiel sind die gängigen Office-Produkte, die zwar bei einem Standardbrief durchaus akzeptable Autokorrekturen durchführen, aber wehe, man möchte Fachbegriffe oder Abkürzungen verwenden, die dieses Officeprodukt nicht kennt - prompt wird das korrekt geschriebene Wort oder die Abkürzung in eine andere Form umgebaut. Lästig sind in dem Zusammenhang auch die Anpassungen der Groß- und Kleinschreibung. Verwendet man z.B. Standardabkürzungen wie “lt.” oder “inkl.”, so kennt (zumindest OpenOffice) diese werksseitig nicht und schreibt das Wort dahinter wegen dem vermuteten Satzende einfach groß - absolut lästig. Ähnlich verhält sich das mit Eigennamen oder Fachbegriffen, die im Wort Großbuchstaben verwenden. Überhaupt sind Softwareentwickler heutzutage zunehmend geneigt, dem einfachen Anwender und vor allem der Schar an bildungsfernen Nutzern mit PC die Arbeit zu erleichtern und erschweren damit aber alljenen den Alltag, die der deutschen Sprache (oder halt einer anderen Muttersprache) weitestgehend mächtig sind und auch wissen, was sie da am Rechner tun.

Vorschau: Googles lästige EigenlogikDoch kommen wir zurück zum Thema. Google als SuMa-Primus auf dem deutschen Markt glänzte schon vor längerem durch eine neue Funktion, die dafür sorgte, dass bei ungewöhnlichen Abfragen in der Ergebnisseite ein Bereich “Meinten Sie …” eingefügt wurde. Mit ungewöhnlichen Abfragen ist dabei gemeint, dass Google für die konkrete Abfrage relativ wenige Suchergebnisse finden konnte oder eine leicht veränderte Schreibweise bei Google wesentlich öfter gesucht wurde. Nun, das konnte bei Vertippern durchaus sehr hilfreich sein. Nur blöd, dass die Funktion seit einigen Wochen/Monaten scheinbar direkt und ohne zusätzliche Abfrage integriert wurde, was auch auf dem Screenshot zu diesem Artikel offensichtlich ist. In dem Fall suchte ich nach “gbit leitung messen” und ja, ich wollte irgendeinen Tipp oder ein Tool haben, mit dem ich eine GBit-Leitung messen kann. Und nein, ich wollte nicht messen, wie viel Leistung ich auf einem Fahrrad verbrate und ich wollte auch keine anderen Leistungen (Systemleistung, Spieleleistung, elektrische ~, Verlustleistung, Strom etc.) messen. Ich wollte auch nicht den Wasserdruck einer Wasserleitung messen. Nein, ich wollte wie gesagt den Durchsatz einer Breitbandanbindung im GBit-Bereich messen. In der Top10 zu meiner Suchanfrage fand sich exakt 1 Ergebnis, welches sich mit dem Test einer (für mich in dem Fall viel zu langsamen) DSL-Leitung beschäftigte. Auch auf den folgenden Ergebnisseiten sieht das nicht viel besser aus. Regelmäßig ersetzte Google mit seiner eigenwillige Suchmaschinenlogik die Leitung durch Leistung und GBit durch gibt - die Groß- Kleinschreibung spielt bei der Abfrage übrigens keine Rolle, was gerade bei der Abkürzung GBit eigentlich für bessere Ergebnisse hätte sorgen müssen - hätte. Da lernt man es so richtig hassen, wenn digitale Systeme anfangen Dinge zu interpretieren, die sie (bisher) nicht richtig interpretieren können.

Fazit: Eigenlogik als Benutzer-Eingabe-Korrektur? Ich sage da nur “Nein danke!”

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