Aufrüstkits - billig, schnell, stromsparend

Wenn der alte Rechner langsam zu alt wird oder vielleicht gar komplett den Geist aufgibt, stellt sich die Frage, wie es weitergehen soll. Schafft man sich einen komplett neuen Computer an oder kauft man nur ein Aufrüstkit und wenn man sich für eins von beidem entscheidet, was soll die neue Technik können und kosten? Nicht nur wegen der in den letzten Jahren unverschämt angestiegenen Stromkosten macht es zunehmend auch immer mehr Sinn, auf den Energieverbrauch von Computern zu achten - zumindest, wenn man diese mehr als nur ein paar wenige Stunden pro Woche anschaltet. Will man einen möglichst leisen PC, so hilft auch dabei ein stromsparend konzipiertes System weiter, denn desto geringer der Verbrauch, desto weniger Wärme muss abtransportiert werden. Selbstredend sind auch rein ökologische Betrachtungspunkte und die durch steigende Nachfrage indirekt enstehende Förderung der entsprechenden Entwicklungen seitens der Hardwarehersteller ein guter Grund, auf Energieffizienz zu achten.

Netzteil
Wer bereits ein brauchbares ATX-Gehäuse hat, kann dies problemlos weiterverwenden. Falls der Rechner schon sehr betagt ist, ist aber mit Sicherheit ein Austauch des Netzteils empfehlenswert. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Zum einen halten Netzteile nicht ewig und neigen vor allem nach jahrelanger Beanspruchung dazu, irgendwann den Geist aufzugeben. Da Netzteile durchaus auch Brände verursachen können, ist schon allein auf diesem Hintergrund ein gelegentlicher Austausch sinnvoll. Außerdem bieten alte Netzteile oft nicht genügend Reserven auf den heute vorrangig verwendeten 12V-Schienen, wodurch nach einem Aufrüsten das alte Netzteil überfordert sein könnte. Ein weiterer Grund ist, dass heutige Netzteile einen hohen Wirkungsgrad erreichen können und somit reichlich Strom sparen. Qualitativ haben Billignetzteile oft gravierende Nachteile, aber auch teure Markenprodukte können durchaus schon im 1. Jahr kaputt gehen. Hier sind Erfahrung und umfangreiche Internet-Recherche gefragt. Lange Zeit wurden die Markennetzteile von be quiet! immer wieder empfohlen, in letzter Zeit mehren sich in einschlägigen Foren allerdings die Berichte über frühzeitige Defekte dieser Netzteile, davon würde ich also vorerst abraten. Aktuell sehr interessant und nahezu überall werden hingegen Netzteile des Herstellers Seasonic empfohlen. Diese sind jedoch recht teuer. Hier hilft es weiter, zu wissen, dass auch der durch hochwertige Speicherriegel berühmt gewordenen Hersteller Corsair bei den Netzteilen direkt mit Seasonic kooperiert, was sich auch nach dem Öffnen entsprechender Netzteile auf den ersten Blick offenbart. Die Corsair-Netzteile gelten als sehr leise, fangen jedoch bei hoher Last (beim Corsair CMPSU-520HX ca. 235W) an, den Lüfter auf höhere und damit unter Umständen deutlich hörbare Umdrehungszahlen zu stellen. Auch wenn 235W bei einem 520W-Netzteil als recht wenig erscheint, so wird ein derartiger Verbrauch von aktuellen Computern nur dann erreicht, wenn der Rechner mit sehr vielen Komponenten (Festplatten, Fernsehkarte etc.) bestückt ist oder als High-End-Spiele-PC über eine oder gar zwei sehr energiehungrige Grafikkarte verfügt. Wen dieses Rauschen stört, der ist mit den Seasonic-Produkten oder noch leistungstärkeren Corsair-Netzteilen etwas besser bedient.

CPU
Bei der Wahl der CPU entscheidet man sich gleichzeitig auch für entsprechende Mainboard-Typen. Als absoluter Marktführer mit einem Anteil von ca. 80% bietet Intel eine sehr große Auswahl an Produkten für unterschiedliche Belange. Aber auch AMD mit dem bedeutend kleineren zweitgrößten Marktanteil braucht sich hinter Intel nicht zu verstecken. Die beiden Unternehmen liefern sich seit Jahren einen harten Wettbewerb, der sich inzwischen über das reine Preis-Leistungs-Verhältnis und die möglichst rasche Einführung noch schnellerer Prozessoren hinaus auch auf die Energieeffizienz der zeitweilig extrem leistungshungrigen CPUs ausgeweitet hat.

Mainboard

Grafikkarte

Arbeitspeicher (RAM)

Komplettsysteme
Bei High-End-PCs steigt der Preis schnell wesentlich schneller, als das mehr an Leistung. Wer einen High-End-PC kauft, ärgert sich oft schon wenige Monate später über den enormen Wertverlust - beim Preis-Leistungs-Sieger ist dieser Effekt bei weitem nicht so groß.

Ein Beispiel für einen solchen Preis-Leistungs-Sieger-Kandidaten ist das im Folgenden beschriebene Aufrüstkit. Es wurde dem Motto “billig, schnell, stromsparend” folgend dabei darauf geachtet, billige aber trotzdem gute Komponenten zu wählen und genügend Leistungsreserven für unterschiedliche Aufgabengebiete zur Verfügung zu stellen.

Beispiel für ein Aufrüstkit Mai 2008

Mainboard: MSI K9VGM-V (AM2; DDR2-533/667/800, 2 DIMM-Slots; 1x PCIe x16, 1x PCIe x1, 2x PCI; Chipsatz Via K8M890 mit onBoard VGA; IDE, SATA, LAN 100 MBit, …) - 41,10 €
Grafikkarte: onBoard Via
CPU: AMD Athlon64X2 4850e (45W bei 2.5 GHz) boxed, läuft im Testsystem mit 2750 MHz und Standardkühler (via FSB übertaktet) - 77,74€
RAM: DDR2 Kit 2×1024MB Corsair 800MHz - 35,70 €
Netzteil: Seasonic S12II-330HB - 43,72€

Stromverbrauch: ca. 43W CPU-Idle; ca. 80W CPU-Vollast
gemessen wurde das übertaktete Komplettsystem mit 2,5″-HDD von Western Digital, Maus, Tastatur, 1x 8cm-Gehäuselüfter

Vorschau: MSI K9VGM-V mit AMD Athlon64X2 4850e und boxed KühlerSomit kann man einen alten Rechner (Leergehäuse+Maus+Tastatur+Monitor) ziemlich komplett für 198,26€ aufrüsten, Preise von Ende April 2008. Der Stromverbrauch ist für die recht starke Übertakung offensichtlich immer noch sehr niedrig, würde sich durch Untertaktung drastisch oder durch Betrieb bei Normaltakt deutlich reduzieren lasssen.
Das Mainboard ist nur für CPUs bis max. etwa 90W ausgelegt und unterstützt keine Phenom-Prozessoren. Von einem 40€-Mainboard sollte man allerdings auch nicht zu viel erwarten, wirklich gute Boards mit zahlreichen Erweiterungsmöglichkeiten (bessere CPU-Unterstützung, mehr Slots für Speicherriegel, zweiter PCIe-x16-Slot, …) bekommt man kaum unter 70-80€. Das eben vorgestellte Mini-Kit mit MB+CPU+RAM würde knapp 155€ kosten und könnte trotzdem jegliche normalen Büroaufgaben sehr flott bewältigen. Lediglich für die Wiedergabe hochaufgelöster Videos oder neuere Spiele wäre eine zusätzliche Grafikkarte erforderlich. Dabei würde meist schon ein passiv gekühltes Modell (z.B. Radeon HD3450 mit 256MB RAM für ca. 38€) reichen.

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