Linux Educacional 2.0 für 52 Mio Brazilianer

Seit einigen Jahren laufen verschiedene Projekte, um vor allem in der Dritten Welt den Schülern und Studenten kostengünstig in die heutige digitale Welt einzuführen. Das ergeizige Projekt One-Laptop-per-Child (OLPC) hatte ich bereits bei der Vorstellung des Mininotebooks Asustek Eee PC erwähnt. Dazu äquivalent ist das UCA-Project (One computer per student), welches allein in Brazilien in den nächsten Jahren 150.000 preiswerte Computer zur Verfügung stellen möchte - selbstredend mit Linux als kostenlosem Standardbetriebssystem.

Als ein weiterer gewaltiger Schritt in Brazilien wurden nun die Ziele des brasilianischen Bildungsministeriums (Ministry of Education, MEC) in portugisisch veröffentlicht. Eine umfangreiche Auswertung des ganzen in Englisch findet sich im Blogbeitrag ProInfo and Linux Educacional - KDE in Public Schools in Brazil externerLink eines KDE-Entwicklers.

Das brasilianische Bildungsministerium MEC hat sich entschieden, für die geplante IT-Infrastruktur und die damit den Schülern und Studenten zur Verfügung stehenden Computer auf Linux Educacional mit KDE-Oberfläche zu setzen. Bei Linux Educacional handelt es sich um einen sehr schön angepassten Debian-GNU/Linux-Clone, der direkt auf die Bildungsanforderungen zugeschnitten wurde.

Die von der MEC veröffentlichten Zahlen sind beeindruckend groß und werden mit Sicherheit vor allem für die Linux-Welt geradezu unglaubliches Potential für zukünftige Weiterentwicklungen bringen. Aber das ist nicht nur für die Open-Source-Freunde und Linux-Anhänger selbst fantastisch, vor allem ist es eine bedeutende und zukunftsweisende Entscheidung für Brazilien. Wer frühzeitig mit Linux in Berührung kommt, idealer Weise vor anderen Betriebssystemen, der wird auch später sowohl privat als auch beruflich kaum Berührungsängste mit Linux haben.

Hier ein kurzer Einblick in die Eckdaten:

  • Ende 2007 gab es 17.000 Computer-Labore, wovon allerdings noch mehr als 1/3 mit älterer Technik ausgestattet ist.
  • Zum Ende diesen Jahres sollen 29.000 Computer-Räume vorhanden sein und diese sollen 32 Millionen Schülern und Studenten zur Verfügung stehen.
  • Für Ende 2009 soll die Anzahl auf insgesamt 53.000 Labore anwachsen und damit den Bedarf an moderner IT-Technik für 52 Millionen brazilianische Schüler und Studenten decken. Bis dahin sollen auch sämtliche bestehenden PC-Räume mit älterer Technik durch das jetzige Projekt erneuert sein. Alle dieser geplanten PC-Räume werden den besagten Debian-Clone Linux Educacional mit KDE einsetzen. Allerdings wird es an die Gegebenheiten angepaßte unterschiedliche Ausrüstungen für die ländlichen und städtischen Regionen geben. Dennoch werden konsequent nur 3 verschiedene Versionen eingeführt: #1 mit Server, ordentlicher Breitbandanbindung, WLAN, 7 Thin-Clients (in Brazilien als “CPU” bezeichnet) und insgesamt 15 Arbeitsplätzen; #2 mit einem kleineren Server für wenige Thin-Clients und einige WiFi-Arbeitsplätze; #3 ein Terminalserver mit großem LCD-Monitor, 2 Thin-Clients und wieder WLAN für weitere Plätze.

Von einer derart einheitlichen und somit leicht zu administrierenden IT-Infrastruktur können selbst die meisten schon seit vielen Jahren hervorragend ausgestatteten Industrienationen nur träumen. Wenngleich die Flexibilität durch den Einsatz der Terminal-Client/Server-Lösungen etwas eingeschränkt ist, so werden dadurch jedoch erst Projekte wie dieses in ärmeren Staaten möglich und obendrein vereinfacht sich damit der Administrationsaufwand zusätzlich. Sicher, Microsoft wird dies nicht erfreuen, aber OpenSource ist nicht nur bedeutend billiger, es ist auch einfacher an diverse Bedürfnisse anpassbar und bietet für Dritte-Welt-Staaten Möglichkeiten, die es sonst in dem Umfang wohl nicht geben würde.

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