Online-Office - die mobile Variante

Schon vor einigen Jahren hörte man von Zukunftsphantasien, Office-Anwendungen und andere Software online verfügbar machen zu wollen. Bereits seit über einem Jahr ist Google Docs in der Beta-Phase online, vor etwa einer Woche zogen kurz hintereinander Microsoft mit Office Live und Ulteo mit einer OpenOffice-Variante nach. Beide befinden sich vorerst jedoch noch in der Betaphase. Außerdem kündigte im November das aus Indien stammende Unternehmen InstaCall eine Online-Variante von OpenOffice an.
Zur Bedienung ist lediglich ein Browser mit Javascript-Unterstützung und Sun Java Runtime Environment notwendig. Vorerst wird man bei der Microsoft-Lösung noch auf viele Funktionen im reinen Online-Betrieb verzichten müssen, vor allem gibt es wohl vorerst kaum Bearbeitungsmöglichkeiten. Dafür ist der Online-Dienst jedoch verstärkt auf Unternehmen ausgerichtet, die auf diesem Wege Dokumente für ihre Mitarbeiter sharen können usw. Auch bleibt abzuwarten, wie sich die Nutzungspreise entwickeln werden. Microsoft bietet 3 Varianten an: Basics, Essentials, Premium. Die erste ist wohl nur als Viewer geeignet und somit kaum brauchbar - dafür aber kostenlos. Die größeren Versionen sind mit monatlichen Gebühren von 17 bzw. 33 Euro für die Zeit nach der Betaphase angesetzt. Egal, was einem dabei geboten wird (eine Domain und reichlich Speicherplatz sind dabei) - das ist definitiv viel zu teuer, da erscheint mir eine spätere Preiskorrektur sehr wahrscheinlich. Wie sich die OpenOffice-Varianten finanzieren werden, ist noch nicht bekannt - Werbung oder kleine Nutzungsentgelte zur Kostendeckung werden sich langfristig aber wohl kaum vermeiden lassen.
Bleibt die Frage nach dem Nutzen, schließlich benötigt man für die Bearbeitung der Texte mittels Browser ohnehin einen PC oder Laptop mit geeigneter Bildschirmauflösung, schnellem Internetzugang und ein solcher Rechner besitzt fast ausnahmslos eine Festplatte oder kann per Netzwerk auf Festspeicher zugreifen. Warum also sollte man eine zweifelsfrei langsamere und mehr Ressourcen (einschließlich Strom) fressende Online-Variante nutzen? Auch gibt es schon seit längerem OpenOffice.org-Versionen, die für USB-Sticks (auch U3-USB-Sticks) angepaßt sind und man somit bei Bedarf auch ohne eine lokale Installation auskommt. Auch Pocket-PCs (Handys) können eigentlich kein angepeilter Markt sein, da diese durch ihre geringe Größe bedingt absolut ungeeignet für größere Textverarbeitungen sind. Zwar enthalten die meisten Pocket-PCs abgespeckte Office-Varianten, aber zu mehr als zum Lesen oder für kleine Anpassungen taugen die Geräte eben nicht und ein Online-Office würde daran auch nichts ändern. Nicht vergessen sollte man auch die zusätzlichen Gefahren der Datenspionage, wenn man seine Dateien zukünftig online verarbeitet. Sämtliche größeren Geheimdienste werden schon sehr bald mitlesen und auch andere Datenspione könnten Gefallen an den neuen Möglichkeit haben.
Schauen wir also gespannt auf die Dinge, die da kommen. Einen großen Markt wird es zukünftig zweifelsfrei für derartige Produkte geben, sonst würden sich nicht so schnell so viele Konkurrenten einfinden, die um die Gunst der User wetteifern.

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