Informatikunterricht als Pflichtfach

Laut einer aktuellen vom Forsa-Institut im Auftrag der BITKOM durchgeführten Studie spricht sich eine deutliche Mehrheit von Eltern und eine schwache Mehrheit von Schülern für Informatik als Pflichtfach bereits in der Sekundarstufe 1 aus. Allerdings ist die erfaßte Datenmenge mit 1.016 Eltern und 501 Schülern (14-19J) etwas dünn, reicht aber für einen kleinen Einblick. Während die Eltern mit deutlichen 78% gezeigt haben, dass sie wissen, was die Uhr geschlagen hat, scheinen viele Schüler noch in einer Traumwelt zu leben. Nur 52% der Schüler befürworten Informatik als Pflichtfach, ganze 22% sind sogar dagegen - bei den Eltern immerhin auch 13%. Wer in der heutigen Zeit noch ernsthaft glaubt, ohne wenigstens grundlegende IT-Kenntnisse noch weit zu kommen, hat wohl die letzten 20 Jahre (ok, die Schüler etwas weniger) verschlafen. Ab nächstem Jahr wird ein großer Teil der neuen Handies weltweit mit Linux ausgestattet werden und schon heute laufen viele Handies auf der Basis abgespeckter und angepaßter großer Betriebssysteme. Auch Musik, Videos, Fernsehen usw. laufen heute größtenteils Digital durch unsere Welt. Wenn man mehr als nur ein “dummer” Konsument sein möchte und auch mal etwas anpassen können will, wie sollte man da ohne IT-Kenntnisse weiterkommen?

Die BITKOM lieferte gestern außerdem neue Daten zum IT-Fachkräftemangel. Demnach sucht die IT-Branche selbst momentan etwa 18.000 ITler und die sonstigen Branchen haben weitere 25.000 offene IT-Stellen. Insgesamt fehlen somit aktuell etwa 43.000 IT-Fachkräfte, davon ein sehr großer Teil Software-Entwickler und IT-Manager. Auch auf diesem Hintergrund sollte es klar sein, dass Informatik ohne lange Diskussion in den Schulunterricht gehört. Bisher wird an normalen Schulen nur 22% der Unterrichtszeit für naturwissenschaftliche Fächer verwendet, lediglich die Spezialschulen mit naturwissenschaftlicher Ausrichtung können da mit besseren und zukunftsweisenderen Stundenplänen aufwarten. Einige weitere Probleme dürfte es dabei allerdings auch noch zu bewältigen geben: zum einen sind viele Schulen bisher zu schlecht mit Computer- und Netzwerktechnik ausgestattet und zum anderen ist ein großer Teil der Lehrer mangels entsprechender Ausbildung auch gar nicht wirklich dazu in der Lage, Computer und Internet verstärkt im Unterricht mit einzusetzen. Als zusätzlicher Effekt ist gerade hier in Deutschland eine sehr niedrige Frauenquote in den anspruchsvollen IT- und Ingenieur-Bereichen festzustellen. Auch in diesem Punkt ist die Schule gefordert. Aber auch der Staat müßte eigentlich durch geeignete Maßnahmen eine Menge bewirken und positiv beeinflussen können - eigentlich …

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