Debian 4.0 Etch angetestet

Ich hatte schon ewig eine DVD mit Debian 4.0 herumzuliegen, konnte mich aber lange nicht dazu überwinden, diese auch mal zu testen. Getreu dem Motto “don’t touch a running system” liefen auf zwei von meinen Rechnern ein Knoppix und ein Debian 3.1 Sarge einfach zu gut. :) Heute war es dann aber doch so weit: das Knoppix auf dem Acer-Laptop (Acer TravelMate 244LC mit intel Celeron 2.6GHz) mußte dran glauben und einem aktuellen Etch weichen. Die Installations-DVD stammte aus dem Linux Magazin 05/2007 und im großen und ganzen funktionierte die Installation sehr problemlos. Debian 4.0 verwendet zahlreiche Assistenten zur Hardwareerkennung und Vorschau: Debian 4.0 Etch, Gnome-Screenshotgrafischen(!) Installation, die aus dem Ubuntu-Zweig der Debian-Distribution übernommen wurden. Entgegen meinem guten Geschmack wehrte ich mich ausnahmsweise auch mal nicht dagegen, das System gleich so weit wie möglich über diese Menüführung zu installieren. Wer eine schlanke Installation haben möchte, die nur das enthält, was man wirklich braucht, der wird bei Debian (wie auch bei jeder anderen Linux-Distribution) nur das Grundsystem installieren und anschließend per Hand den Rest nachziehen - bei Debian mittels apt-get (bzw. der seit Etch neuen Empfehlung aptitude) kein Problem. Ich entschied mich allerdings wie erwähnt für die schnell-und-sorglos Variante mit Grundsystem, Desktop, Webserver und irgendwelchen Laptop-Zusatzprogrammen. Was da alles genau installiert wird: keine Ahnung :) Sicher, das kann man sich nach der Installation mittels dpkg -l anzeigen lassen, ist nur “etwas” zu viel, um da binnen 5min wirklich alles überblicken zu können. Zur Installation wählte ich sicherheitshalber den Experten-Modus, da ich zum einen wenigstens ein wenig Einfluß auf die Installation nehmen wollte und zum anderen nicht wirklich testen wollte, was bei den vereinfachten Varianten mit meiner Windows-Partition passieren würde … Bei der Partitionierung begnügte ich mich mit den bereits vorhandenen Partitionen von 3.58GB (1.08 noch frei) für das gesamte System und knapp 500MB Swap. Da dies nur eine Testinstallation für meine eigenen Zwecke werden sollte, verkniff ich mir die Unterteilung des Systems auf verschiedene Partitionen, wie es für produktive Einsätze empfohlen wird. Als Datenspeicher verwende ich ohnehin nicht das home-Verzeichnis, sondern die FAT32-Partition des ebenfalls auf dem Laptop installierten Microsoft Windows XP oder Netzwerkfreigaben meines Hauptrechners. Zusätzlich wählte ich wärend der Installation noch einen Debian-Spiegel aus dem Internet und ließ den Acer-Laptop anschließend die Installation fertigstellen - mit einem User root versteht sich, denn mit dem sudo mag ich mich irgendwie nicht so recht anfreunden: root darf das heißt der Spruch und nicht sudo. ;) Für den Abschluß der GNU/Linux-Installation muss man allerdings etwas Geduld mitbringen. Das Ergebnis war auch für einen alten Debian-Hasen wie mich trotz aller zuvor schon gelesenen Testberichte beeindruckend: es lief (fast) alles auf Anhieb völlig problemlos. Gnome startete bedeutend schneller, als ich es aus früheren Installationen kannte und auch die Arbeit damit war halbwegs flott - dennoch ist Gnome immer noch spürbar langsamer, als Windows 2000/XP. Wer etwas schnelleres haben will, dem wird heute zumeist XFCE empfohlen, noch schneller dürfte der gute alte Window Maker sein. Letzterer war immerhin schon auf alten Pentium2-Prozessoren in vielen Bereichen weitaus flinker, als Win2k auf P3-/P4-Prozessoren. Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich auch, dass die Konsolenfenster schwarze Schrift auf weißem Hintergrund (ist das abartig ^^) haben und dies läßt sich nicht über die Menüs ändern. Um die richtige Farbgebung zu erhalten, knn man aber auch immer noch das gute alte xterm verwenden.

Im Großen und Ganzen ist die Gnome-Oberfläche sehr übersichtlich und leicht bedienbar - nicht perfekt, da z.B. bei der Dateiverwaltung zu stark an den Explorer-ähnlichen “Windows-Pseudo-Standard” angelehnt, aber halt trotzdem intuitiv nutzbar. Neu geöffnete Fenster sind bei Gnome grundsätzlich so klein, dass man die zur besseren Übersicht erstmal vergrößern muss. Das ist zwar unpraktisch, aber läßt sich sicherlich auch irgendwo einstellen. Unschön fand ich, dass im Dateimanager Verzeichnisse ganz im Stil der modernen Microsoftbetriebssysteme als “Ordner” bezeichnet werden. Für eine effektive Nutzung des Systems empfiehlt sich ganz eindeutig die nachträgliche Installation eines Total-Commander-ähnlichen Dateimanagers. Ich entschied mich für den Krusader, welchen man per apt-get install krusader ins System einpflegt.
Der installierte Taschenrechner ist in seiner wissenschaftlichen Ansicht absolut unbenutzbar. Wie um alles in der Welt kann man logische Begriffe wie “And”, “Or” etc. und viele auf jedem echten Taschenrechner in bekannter englischer Notation abgekürzte Begriffe ins deutsche Übersetzen? Ich glaube, beim nächsten Versuch wähle ich dann vielleicht doch lieber eine komplett englischsprachige Oberfläche :lol:
Der Zugriff auf Netzwerkfreigaben (Windows bzw. Samba) stellt mit den Gnome-eigenen Tools keinerlei Probleme dar, funktioniert bei mir (bisher) allerdings nicht mit dem Krusader und irgendwie findet man dazu auch keinerlei brauchbare Anleitungen im Internet. Der Gnome-Commander mit ähnlichem Funktionsumfang hat zwar bereits einen smb-Button auf der Oberfläche, aber mehr als die vorhandenen Domains/Arbeitsgruppen finden und anschließend abstürzen kann er leider nicht.
Die per USB nachträglich angeschlossene Tastatur ließ sich sofort nutzen. Ziemlich als erstes testete ich auch die Sound-Unterstützung mittels eines avi-Videos. Das Video lief auf Anhieb mit dem Totem Video-Player, nur die Helligkeit und der Kontrast mußten über das Menü etwas angepaßt werden, weil das Bild für das Laptop-Display viel zu hell war.

Als sehr sinnvoll empfand ich noch, den oben angeordneten Gnome-Menübalken etwas zu ergänzen. Das geht Windows-Like mit einem simplen Rechtsklick auf das Menü. Da fehlt ganz eindeutig ein Button für ein Konsolenfenster, wechen man über den Anwendungsstarter und dort im Zubehör als Terminal findet. Um dort auch gleich mal die ecchte Konsole einzustellen, kann man in den Eigenschaften den Aufruf des gnome-terminal auf xterm umstellen. Auch die Deskbar zum Schnellstart von Programmen ist ein nettes Tool, wenn man weiß, was man will. Da ich das von meinen ganzen früheren WindowMaker-Installationen mit den zugehörigen Doc-Apps gewohnt war, mußte natürlich auch noch der Systemmonitor mit aktivierter Netzwerkanzeige (Rechtklick-Einstellungen) mit ins Menü. Die ebenfalls angebotene Netzwerküberwachung hat keine so schöne Minianzeige für den Traffik, würde alternativ aber auch gehen und damit einen einfachen Zugriff auf die Einstellungen der Netzwerkkarte(n) ermöglichen. Logisch, auch der bereits nachinstallierte Krusader gehört natürlich ins Menü, schließlich ist das eines der wichtigesten Tools überhaupt. Richtet man sich den Krusader richtig ein, macht diese theoretisch sogar alle anderen Buttons und Menüs des Systems überflüssig.

Probleme+Lösungen nach der Etch-Installation

Also weiter zum Internet-Radio. Bei Gnome wird der Player Rhytmbox mitinstalliert, welcher auch als Verwaltungstool für diverse Musikquellen dient. Geht man in der Oberfläche auf Radio, so hat man bereits eine kleine Senderauswahl zur Verfügung. Das ist zwar weit weniger, als man vom Winamp-Browser gewohnt ist, reicht aber vorerst. Die Radiosender ließen sich allerdings nicht abspielen, es kam die wunderschöne Fehlermeldung “Wiedergabe konnte nicht gestartet werden, Unbekannter Wiedergabefehler”. Na toll. Immerhin bekam ich 1x irgendwie auch noch eine Meldung mit dem entscheidenden Hinweis, dass ein entsprechender Codec fehlt. Ein kurzer Blick in die Menüs zeigte, dass der Player scheinbar nicht viel mehr als ogg-Vorbis im Angebot hatte. Das ist natürlich etwas dünn. Zusätzlich wird für die Rhytmbox noch GStreamer benötigt, was laut Abhängigkeitsbaum sowohl für RhythmBox als auch den Totem-Video-Player installiert und entsprechend eingerichtet sein sollte. Allerdings spielte die Rhytmbox ohne zu murren einzeln eingefügte mp3s ab, obwohl die Unterstützung dafür nirgends in den Einstellungen bzw. der Pluginliste zu sehen war. Die Funktion des Einfügens ganzer Verzeichnisse wollte bei mir irgendwie auch nichts erkennen. Da das Tool ansonsten eigentlich nur überflüssige Funktionen wie iPod-Kram oder last.fm anzubieten hat, kann man aber auch erstmal getrost darauf verzichten und sich mit dem Totem-Player begnügen. Die Suche nach dem Grund für die nicht funktionierende Internetradio-Unterstützung brach ich dann nach einer Stunde ohne Erfolg ab - da muss ich irgendwann noch mal in Ruhe die Configs durchgehen.

Bei der Erstellung der Swap-Partition hatte ich vergessen, diese zu aktivieren. Ergebnis war, dass sie nicht automatisch genutzt wird, aber in der /etc/fstab/ aufgeführt wird. Das Problem wird mittels swapon -a gelöst.

Die auf dem Laptop vorhandene FAT32-Partition war nicht eingehängt und wurde fälschlicher Weise als USB-Laufwerk angezeigt. Mit Hilfe des Tools Disk Manager konnte die Partition dann aber problemlos ins Dateissystem eingehangen werden. Dafür wählte ich per Disk Manager ein neues Verzeichnis unterhalb von /media und stießt auch dort gleich auf ein weiteres Problem: ich hatte ein Verzeichnis angelegt und ohne den Namen zu ändern abgeentert. Von Gnome aus ist es dem normalen User anschließend nicht möglich, dieses umzubenennen. Da hilft dann nur root (gelobt sei die Konsole) weiter.

Der Versuch, eine echte USB-Festplatte zu erkennen und einzuhängen, was bei Etch eigentlich automatisch geht, schlug erst fehl. Scheinbar kann Debian mit Gnome das Laufwerk nicht erkennen, wenn es in angeschaltetem Zustand eingehangen wird - ein kurzes Ab- und wieder Anschalten half nämlich, so dass die Platte automatisch unter /media/usbdisk eingehangen wurde. Eine andere USB-Platte wurde jedoch nicht korrekt erkannt/eingehangen. Auf der Konsole wurden dafür massig I/O-Fehler angezeigt, unter Windows läuft die Platte allerdings problemlos.

Fazit

Debian 4.0 Etch überzeugt durch eine sehr einfache Installation mit zahlreichen Softwarepaketen und das meiste funktioniert auch auf Anhieb. Auf dem von mir verwendeten Acer TravelMate 244LC hatte ich zuvor nicht viele Linux-Distributionen installiert bekommen. Das Gerät ist etwa drei Jahre alt und damals liefen weder Debian 3.0 Woody, noch Knoppix mit Derivaten. Erst später gab es einige Knoppix-/Ubuntu-Varianten, die man gestartet und teilweise auch installiert bekam. Debian 3.1 Sarge ließ sich als auch nicht wirklich als Desktop-System einrichten, zumindest nicht mit vertretbarem Zeitaufwand. Ca. 1 Jahr alte Ubuntu-Varianten waren auf dem Notebook unnutzbar langsam, da ist die einfache Installation von Debian Etch und die anschließend recht angenehme Arbeitsgeschwindigkeit wirklich eine kleine Überraschung.

Eine Reaktion zu “Debian 4.0 Etch angetestet”

  1. admin

    Nachtrag: Das Problem mit dem Internet-Radio löste sich übrigens später mehr oder weniger von selbst. Die ganzen bei Rhythmbox eingetragenen Sender funktionierten nicht mehr, die Liste war wohl zu lange nicht mehr aktualisiert worden. Manuell neu eingefügte Sender gingen dann problemlos. Man kann die Radiosender natürlich auch mit dem Totem-Video-Player abspielen. Vermissen tue ich aber weiterhin eine in die Player eingebaute und aus dem Internet stammende aktuelle Radiosender-Liste (z.B. von shoutcast.com), wie man es vom WinAmp her kennt.

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