WordPress 2.2.1 Upgradeorgie - Problembericht

Seit vier Tagen gibt es die neue WordPress-Version 2.2.1 und wie so oft bei neuen Versionen, so ist auch hier so einiges anders und bereitet Probleme mit verschiedenen Kleinigkeiten, die in früheren Versionen problemlos liefen. Ich habe heute einen neuen Blog mit der aktuellen Version eingerichtet und schon beim Anblick der vielen seit 2.0.x hinzugekommenen neuen Dateien wurde mir das erste mal schlecht. So viel überflüssiger neuer Kram, den niemand braucht, der neue potentielle Sicherheitslücken ins System einbringt und damit vor allem auch für zusätzlichen Ressourcenverbrauch sorgen. Die regelmäßigen Sicherheitsupdates, die nach meinem subjektiven Empfinden viel zu häufig (theoretisch) notwendig sind, gehen mir kräftig gegen den Strich. Ich will ein System, welches rund läuft und nicht ständig upgedatet werden muss. Die meisten Sicherheitsprobleme in den älteren Versionen gab es ohnehin nur im Zusammenhang mit bestimmten wohl nur äußerst selten gebrauchten Funktionen. Ich sag nur xmlrpc ;) Auch viele der anderen Sicherheitslücken, die seit meiner ersten WordPress-Installation (das war eine 2.0.4) entdeckt und beseitigt wurden, stammen von Features, die nur die wenigsten Betreiber eines WordPress-Blogs gefährden würden - warum also sind diese überhaupt standardmäßig integriert und aktiv? Das würde auch anders gehen und damit 90% der WordPress-Nutzer ziemlich viel Arbeit ersparen …

WordPress ist ohnehin schon viel zu aufgebläht und entwickelt sich für meinen Geschmack immer weiter in eine völlig falsche Richtung. Keine Frage, WordPress ist auch in meinen Augen das beste verfügbare CMS (und nebenbei auch noch das beste Blogsystem), aber die Struktur gefällt mir vorn und hinten nicht. Kaum einer braucht eine (langsam) Eier legende Wollmilchsau in diesem Umfang. Ich hoffe, dass ich noch diesen Sommer Zeit dazu finde, einen Fork des Projektes zu starten, der gerade für Webmaster und SEOs mit Hirn bedeutend mehr bringt, als das jetzige total aufgeblähte System. Aber da will ich erstmal nicht zu viel versprechen, weil man an so einer Aktion doch einige Wochen sitzen dürfte …

Ich für meinen Teil kann auch trotz meinen teilweise immer noch auf alten WP-Versionen basierenden Blogs ziemlich ruhig schlafen und das nicht nur wegen sehr regelmäßiger Backups. Der Hauptgrund ist ganz einfach der, dass bei mir die Themes auf das Wesentliche reduziert sind und für den Seitenaufbau teilweise auch auf eigene Routinen zurückgreifen, die die Standard-WP-Routinen rigoros umgehen. Das mag für den ein oder anderen unsauber wirken, bringt aber letztendlich auch eine ganze Menge an Vorteilen mit sich ;) Hinzu kommt, dass ich in der Vergangenheit auch einiges an Code innerhalb der eigentlichen WordPress-Script-Sammlung verändert und auch bei einigen (teilweise) durchgeführten Updates diese Codeänderungen mitgeschleift habe.

Aber lassen wir mal die neuen Features beiseite und kommen zurück zum eigentlichen Thema.

Änderungen, die mir an WordPress 2.2.1 aufgefallen sind:

  1. Die Variable $user_ID ist neuerdings vom Typ integer, vorher war das eine String-Variable. Gut, das mag ja durchaus Sinn machen, nur ist das ziemlich lästig, wenn man Themes oder Plugins, die diese Variable irgendwofür benötigen, sowohl für ältere WordPress-Versionen als auch für aktuelle anbieten möchte. Man könnte eine lokale Anpassung in allen jeweiligen Funktionen durchführen, das wäre aber auch wieder nur ein Beitrag zur Codevergrößerung und Performancereduzierung.
  2. Die Blogroll ist jetzt eine Kategorie (oder war das schon immer so?) und warum auch immer kann ich im Admininterface keine Stelle finden, an der man diese löschen kann. Blogrolls sind nichts weiter, als völlig überflüssiger Linkspam, der nicht nur Google ankotzt. Es ist 100x sinnvoller, eine solche Blogroll-Linkliste nur auf einer einzelnen Unterseite anzuzeigen, die man bei Bedarf fest ins Menü jeder Seite einbauen kann. Obendrein spart das auch noch Traffik, weil weniger Ballast berechnet und übertragen werden muss. Wer den Leuten aus seiner Linkliste (Blogroll) wirklich einen Gefallen tun will, der verlinkt diese gelegentlich direkt aus seinem Content.
    Was mich aber besonders verwundert hat, ist, wie bereits erwähnt, die fehlende Löschoption für diese Kategorie. Nach genauerem Hinschauen stellte ich fest, dass die Blogroll als Eigenschaft Default besitzt und dies auch nicht in dem ohnehin mager ausgestatteten Edit-Bereich für Kategorien geändert werden kann. Falls das auch früher schon als Kategorie gespeichert wurde, so konnte man die zumindest bequemer löschen - sonst würde ich mich daran erinnern können ;) Auch vermisse ich eine Möglichkeit, Kategorien per Adminmenü auf excluded stellen zu können und den aktuellen Status angezeigt zu bekommen. Nicht, dass mein Theme derartiges unterstützen würde, aber das könnte man ja als Workaround zügig nachrüsten, bis man die Blogroll dann endlich komplett gekickt hat.
    Update: Weitere Infos zur Blogroll unter Punkt 3. - Ich habe jetzt jedenfalls die Blogroll im phpMyAdmin per DELETE FROM `wp_categories` WHERE cat_ID=2 gelöscht und weitere Querverweise dorthin und Abhängigkeiten, die diese Kategorie zwingend erfordern, scheint es nirgends zu geben.
  3. Die Tabelle wp_main_categories hat drei neue Felder spendiert bekommen: link_count, posts_private und links_private. Mittels des Feldes link_count lassen sich Kategorien aus dem Menü ausblenden. Standardmäßig werden mit den neuen Routinen zur Erzeugung des Kategorienmenüs nur diejenigen ausgegeben, bei denen link_count>=0 ist. Die Blogroll-Kategorie ist standardmäßig auf -2 gesetzt. Ich finde die Lösung etwas merkwürdig, aber egal. Der Sinn der Felder posts_private und links_private erschließt sich mir auch nicht so ganz. Dem Namen nach zu urteilen (ich wollte nicht auch noch danach in den Scripten suchen ;) ) könnte man dadrin irgendwelchen Kram unterbringen, der “privat” ist und nicht im Netz veröffentlicht werden soll. Das ist in meinen Augen ziemlich hirnrissig und wäre auch anders (vor allem ohne zusätzliche Tabellenspalten!) möglich. Die einfachste Lösung für solche “privaten” Posts wäre z.B., dass man die nicht auf “published” stellt, sondern lediglich als “Draft” speichert. Eine kleine zusätzliche Link-Box zu erstellen, die nur der Besitzer dieser Posts angezeigt bekommt, wäre ebenso überhaupt kein Problem, wie das Einbinden einer privaten Linkliste, die für meinen Geschmack ohnehin nichts in den Kategorien verloren hat.

Genug für heute, wenn mir weiteres auffällt, editiere ich das hier nach.

Eine Reaktion zu “WordPress 2.2.1 Upgradeorgie - Problembericht”

  1. admin

    Weitere “Nachforschungen” haben ergeben, dass irgendwie auch viele der guten alten php-Scripte nicht mehr existieren und die Inhalte teilweise völlig neu gecoded bzw. extrem verändert in neuen Dateien mit anderen Funktionsnamen wiederzufinden sind. So existieren z.B. die ganzen mit template-functions- beginnenden Scripte nicht mehr und nach meinem ersten Eindruck sind auch viele der dortigen Funktionen nunmehr irgendwie zusammengewürfelt in neue Funktionen aufgegangen. Ob und wo die alten Funktionen evtl. noch drin sind, wollte ich jetzt nicht auch noch mühselig überprüfen, nachdem ich immerhin noch ein paar (für mich momentan interessantere) Änderungen an der Kategorien-Tabelle bemerkt habe. Das editiere ich aber oben als Änderung #3 rein …

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