Weiter zunehmender IT-Fachkräftemangel

Vor etwa einer Woche veröffentlichte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien seine neueste Studie zum IT-Arbeitsmarkt und stellte hierbei erneut fest, dass der Mangel an Fachkräften weiterhin größer wird. Bereits im Dezember 2006 berichtete ich auf der Basis einer damaligen BITKOM-Studie über sehr gute Aussichten für Absolventen der Informatik-Studiengänge im Artikel Fachkräftemangel Informatik, zu wenig IT-Studenten. Laut der neuen Studie erwarten 78 Prozent der Hightech-Unternehmen für das aktuelle Jahr 2007 einen Umsatzzuwachs. Ganze 20% der ITK-Unternehmen gehen sogar von einem 2-stelligen Zuwachs aus. Ingesamt ergibt die Wachstumsprognose für den deutschen IT-Markt einen Zuwachs von 2,0 Prozent auf 149,1 Milliarden Euro im Jahr 2007.

Laut der Studie planen 55% der Unternehmen dieser Branche, ihr Personal aufzustocken, wodurch sich auch die neuerliche Verbesserung der Arbeitsmarktsituation für Informatiker ergibt. Aus Unternehmersicht ist eine Verbesserung des Arbeitsmarktes natürlich immer negativ zu bewerten, da durch Fachkräftemangel höhere Personalkosten entstehen. Daher wurde wurde von 54% der befragten Unternehmen angegeben, dass der mit dem Wachstum weiter zunehmende Fachkräftemangel ihre Geschäftstätigkeit beeinträchtigt. Noch 2005 hatten weniger als 20% Probleme bei der Besetzung von Stellen für IT-Spezialisten angegeben. Laut BITKOM gibt es momentan in Deutschland etwa 20000 offene Stellen im Informatiksektor. Was dabei nicht erwähnt wird, sind die Gehaltsvorstellungen der Arbeitgeber über die Entlohnung der fehlenden Fachkräfte. Stattdessen wird mal wieder gefordert, Fachkräfte aus dem Ausland billiger einkaufen zu können.

Wenn man dabei beachtet, was es bedeutet, die notwendigen Erfahrungen und das entsprechende Fachwissen für die heutigen Anforderungen der ITK-Branche zu erwerben, so kann man über die angeblichen Probleme jedoch eigentlich nur müde lächeln. Selbst ein Arzt wird in seinem Leben kaum so viel lernen müssen, wie ein guter Informatiker oder ITK-Ingenieur. Warum also sollten nicht wieder vom Verhältnis her ähnliche Gehälter gezahlt werden, wie sie noch im Jahr 2000 vor dem Zusammenbruch des IT-Marktes üblich waren? Das würde mit Sicherheit für viele Erstsemestler auch die Motivation steigern, einen der gefragten und zugleich besonders anspruchsvollen Studiengänge zu wählen.

Eine Reaktion zu “Weiter zunehmender IT-Fachkräftemangel”

  1. admin

    Dieser Text ist einige Jahre alt und trotz der leichten Einbrüche durch die letzte Finanzkrise hat sich inzwischen wirklich einiges getan: Mit einem Studium im Bereich der Informatik und vor allem im Unterbereich der Technischen Informatik bzw. Informationstechnik hat man seit knapp einem Jahr die große Auswahl. Zahlreiche Firmen suchen teils wochen- und monatelang erfolglos Fachkräfte. Dies ermöglicht auch wieder interessante Verdienstmöglichkeiten, wenngleich die Fachkräfte in Deutschland im internationalen Vergleich keine Spitzenverdienste erhalten. Wir liegen bei den Industrienationen nur auf Platz 7 in der Vergütung, kein Wunder also, dass Fachkräfte eher aus Deutschland abwandern als zuwandern. Das wiederum sorgt für eine weitere Verschärfung des problems und wird mittelfristig zu noch höheren Verdiensten führen. Ach kann das Leben schön sein :)
    Selbst in Berlin sind zahlreiche ITK-Stellen oft lange ausgeschrieben, ehe sich ein brauchbarer Bewerber meldet. Sogar Linux-Admins sind in Berlin rar, also auch die Administration ist derzeit eine sinnvolle Zukunftsperspektive für angehende Studenten. Wovon ich grundsätzlich abraten würde, sind IHK-Berufsabschlüsse. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass diese als Ergänzung zu einem Studienabschluß zwar ganz nett sind, alleine aber selbst bei der jetzigen Situation ohne mehrjährige Berufserfahrung nahezu wertlos sind.

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