Trojaner auf Abwegen

Letztes Jahr schlugen die Wellen hoch, als von deutschen Politikern die gefährliche und freiheitsberaubende Forderung nach einem Staatstrojaner laut wurde. Inzwischen wird das Thema bei uns nicht mehr ganz so heiß diskutiert, dafür geht es seit ein paar Wochen in der Schweiz heiß her. Dort war Anfang März sogar die Forderung bekannt geworden, Hersteller von Sicherheitssoftware wie Virenscannern dazu zu zwingen, Hintertüren (Backdoors) in ihre Produkte einzubauen. Über diese Backdoors sollen Staatsorgane die Möglichkeit erhalten, unbemerkt die Computer und somit privaten Daten seiner Bürger durchwühlen zu können. Dabei beruft man sich auch in der Schweiz auf die dadurch entstehenden Möglichkeiten, besser gegen Terroristen und andere Kriminelle vorgehen zu können.
Das der Staat gleichzeitig dabei selbst kriminell werden würde, scheint die informationstechnisch ungebildeten und paranoiden Politiker dabei wenig zu stören. Weit größer jedoch wäre die Gefahr, die sich aus den Sicherheitslücken ergeben würde, denn diese könnten selbstredend von Findigen Hackern ebenfalls mißbraucht werden. Zu den gewünschten Schwachstellen kommen dann zumeist auch noch eigentlich unerwünschte, durch Programmierfehler bedingte.

Auf der diesjährigen Cebit in Hannover wurden von Seiten der führenden Antiviren-Hersteller jedoch bekannt gegeben, dass sie in ihre Software keine Backdoors für den geplanten Bundestrojaner einbauen werden. Dies würde zwar bekanntlich auch keine absolute Sicherheit bieten, aber wenigstens müßte der Staat zur Beschränkung der Bürgerrechte größeren Aufwand betreiben. Der Sicherheitsexperte Mikko Hyppönen von F-Secure äußerte sich hierzu mit den Worten “Wir dürfen nicht zwischen “bösen” und “guten” Trojanern unterscheiden. Wir haben für uns beschlossen, dass wir sie alle entdecken und stoppen wollen”. Auch die russische Sicherheitssoftwareschmiede Kaspersky fand mit der Stellungnahme “Sicherheitssoftware ist wie ein Metalldetektor am Flughafen. Wenn er eine Waffe erkennt, schlägt er Alarm, egal ob sie von Terroristen oder von der Polizei ist” sehr treffende Worte.

Eine besonders hartnäckige und tief ins System eingreifende Variante von Trojanern sind die sogenannten Rootkits. Da zunehmend auch diese Rootkits an Verbreitung zunehmen und deren Erkennung um ein vielfaches schwieriger ist, als bei normalen Viren, Würmern und ähnlichem, war es an der Zeit, endlich auch die gängigen Virenscanner für Windows mit einer entsprechenden Erkennung auszustatten. Auf diesem Hintergrund kündigte Avira auf der CeBIT an, seine Antivirenlösungen für Windows ab April 2007 um ein Modul zur Rootkit-Erkennung zu erweitern. Auch die kostenlose Variante von Avira Antivir soll diese neue Sicherheitsfunktion bieten. Auch die bisher fehlende Unterstützung für Windows Vista soll bis dahin erledigt sein. Windows Vista von Microsoft hatte bei der Markteinführung Anfang diesen Jahres große Probleme mit zahlreichen gängigen Softwarelösungen offenbart und noch immer sind nicht alle diese Probleme mit Vista durch neue Versionen behoben.

Eine Reaktion zu “Trojaner auf Abwegen”

  1. admin

    Seit Februar nutzen findige Programmierer eine neue Idee zur Verbreitung von Trojanern. Wärend diese bisher meist über Sicherheitlücken unzureichend gesicherter Rechner oder über unbedacht installierte Software (Webseiten mit Schadsoftware oder Links in eMails) Verbreitung fanden, so sind nunmehr auch Skype-Anwender nicht mehr sicher. Das Problem ist hierbei nicht Skype selbst, sondern die Tatsache, dass sich die Würmer (Warezov bzw. Stration) der Kontaktlisten von Skype bedienen und an diese Kontakte entsprechende Links versenden. Installiert man das dort verlinkte Programm, so zieht sich dieses anschließend weitere Dateien aus dem Netz, um die Funktionalität des Trojaners zur Fernsteuerung des gesamten Systems zu ermöglichen. Immerhin erkennen die namhaften Antivirenprogramme diese Schädlinge - allerdings ist in Zukunft mit neuen weiteren Varianten zu rechnen, die bekanntlich erst kurze Zeit später von aktuallisierten Scannern entdeckt werden können.

Einen Kommentar schreiben