Fachkräftemangel Informatik, zu wenig IT-Studenten

Laut einer Studie von Bitcom externerLink sinkt die Anzahl der Studienanfänger im Bereich Informatik weiter. Daraus ergeben sich ideale Karrierechancen für heutige ITler am Markt. Wer die Jobanzeigen im IT-bereich in den letzten Monaten verfolgte, konnte feststellen, dass offensichtlich bereits ein Fachkräftemangel besteht. Während noch vor wenigen Jahren ein Diplom die Grundvorraussetzung für nahezu die wenigen annehmbaren und gut bezahlten freien IT-Jobs war, sieht man vermehrt Stellenanzeigen, in denen nur noch eine normale IT-Ausbildung oder bestimmte Fachkenntnisse bzw. Zertifizierungen gefordert werden.

Seit dem Jahr 2000 sinkt die Zahl der Informatikstudenten in Deutschland kontinuierlich um etwa 5-10%. Ein wichtiger Hintergrund ist der heftige Zusammenbruch im IT-Sektor in den Jahren 2000/2001, einhergehend mit dem sogenannten Platzen der dot-com-Blase. In den Jahren 2001-2003 gab es so viele arbeitslose ITler, dass das Interesse an diesem Beruf automatisch drastisch zurückgehen mußte. Auf eine Stelle kamen in einigen Regionen Deutschlands dutzende arbeitslose ITler. Gute Jobs erforderten fast immer ein Informatik-Diplom oder einen vergleichbaren Abschluß, obwohl die Arbeitsanforderungen auch von vielen guten Fachinformatikern erreicht werden konnten. Aktuell werden von zahlreichen Firmen händeringend Informatiker gesucht und das nicht mehr nur mit Diplom oder den neuen Abschlüssen Bachelor und Master. Insgesamt ist die Anzahl der Studienanfänger im Bereich Informatik seit 2000 mit 38080 Immatrikulationen um ca. 30% zurückgegangen. Von den derzeit etwa 27000 Studienanfängern im ITK-Bereich brechen etwa 50% ihr Studium vorzeitig ab, da die Anforderungen in einigen IT-Bereichen sehr hoch sind. Interessant ist auch, dass der Rückgang der Immatrikulationen im IT-Bereich vor allem die Universitäten betrifft und die Fachhochschulen kaum spürbare Effekte verzeichnen. Hintergrund ist der bedeutend höhere Praxisbezug an den Fachhochschulen und der an den Unis vergleichsweise zu hohe theoretische (und damit kaum brauchbare) Anteil der Studieninhalte. Auch sollte man nicht vergessen, dass Unis eine Massenabfertigung sind, in Fachhochschulen die Größe der Studiengänge aber (oft auf 40-50) begrenzt ist.

Ein weiteres Problem für die niedrigen Immatrikulationszahlen ist die in Deutschland sehr geringe Frauenquote im IT-Sektor. Mit ebenfalls fallender Tendenz lag der Frauenanteil 2005 gerade mal bei 17%. Offensichtlich gelingt es in Deutschland nicht, die weiblichen Gymnasiasten für Technik und vor allem Informatik zu begeistern. Der Einstieg in die Informatik erst mit Studienbeginn ist eine enorm schwere Angelegenheit, die nur wenigen erfolgreich gelingt. Der Grundstein für das erforderliche logische Verständnis von IT-Problemen muss schon weitaus früher in der Schule oder in Arbeitsgemeinschaften gelegt werden.

Perspektive Informatik und Informationstechnik

Da zum einen laut der Statistiken das Interesse an entsprechenden Studiengängen momentan weiter sinkt und die Absolventenzahlen den Bedarf nicht mehr decken können, bietet ein Studium in dieser Richtung momentan hervorrangende Zukunftsaussichten nicht nur für weibliche Studienanfänger. Da inzwischen auch immer mehr Informatiker der ersten Stunden (oft Quereinsteiger ohne Informatik-Abschlüsse) in Rente gehen, wächst der Bedarf an Fachkräften zusehends. Für die nächsten Jahre wird erwartet, dass weniger als 14000 Absolventen Studiengänge im Informatikbereich die Fachhochschulen und Universitäten verlassen werden. Gleichzeitig wird der aktuelle Bedarf jedoch auf ca. 20000/Jahr geschätzt.

2 Reaktionen zu “Fachkräftemangel Informatik, zu wenig IT-Studenten”

  1. admin

    Bei den Studiengängen der Informatik und damit verwandten Richtungen sollte man bedenken, dass viele dieser Studiengänge sehr anspruchsvoll sind. Wer sich dort nicht nahezu rund um die Uhr dahinterklemmt oder wer in einigen Fächern Verständnisprobleme hat, die er nicht ohne größeren Zeitaufwand ausgebügelt bekommt, gehört schnell zu den ca. 50% Studienabbrechern.

    Da ich selbst inzwischen schon fast zur Kategorie “Langzeitstudent” zähle, noch ein paar Erfahrungen von mir persönlich:
    Mein erster Studiengang im Informatikbereich war vor ein paar Jahren (1998/1999) an der Uni Potsdam im Studiengang Informatik. Schon während des ersten Semesters merkte ich, dass mich der theoretische (und in der Praxis völlig unbrauchbare) Anteil, die übertriebene Menge an Hausaufgaben, die viel zu vollen Hörsähle und die für mich ungünstiger Weise zusätzlich nötigen 3-4h Fahrzeit am Tag extrem demotivierten. Das Studium brach ich nachdem ich im 2. Semester durch Abwesenheit geglänzt hatte und anderweitig arbeitete ab und schwor mir, nie wieder an eine Uni zu gehen. Also begann ich 1999 mit einer IT-Ausbildung.

    Nachdem ich 2002 meine Lehre als Fachinformatiker Fachrichtung für Systemintegration erfolgreich (mit’ner Faulheits- 2) abgeschlossen hatte und keine Arbeit fand, machte ich noch mal 6 Monate eine Linuxschulung, insg. 4 Monate Praktika im Administrationsbereich und erwarb die Zertifikate LPI-L1 und MCP W2k Server. Tja, damit gab es immer noch keine Arbeit, also fing ich wieder an, zu studieren.
    Im Jahr 2003 begann ich an der FHTW Berlin im Fachbereich 1 mit dem Studium zum Diplom Technische Informatik. An dem Fachbereich gibt’s eine Frauenquote von ca. 1-2%, was verdeutlichen sollte, wie anspruchsvoll die dortigen Studiengänge sind. Auch wußte ich bereits im Vorfeld, dass nur 10-20% der in der Technischen Informatik beginnenden Studenten auch den Abschluß innerhalb der Regelstudienzeit erreichen, ingesamt schätze ich die Quote an der FHTW auf 30-40% erfolgreiche Abschlüsse inkl. ca. 1 Jahr Verlängerung. Ich selbst machte im 3. Semester einen schwerwiegeneden Fehler - der Zeitaufwand wurde zu groß, da ich auch noch 3 Prüfungen aus dem 1. Semester nachholen mußte. Ich hatte gedacht, dies alles parallel schaffen zu können und bemerkte den Fehler “etwas” zu spät. Ergebnis war, dass ich den Studiengang wechseln mußte und somit wieder Zeit (Rückstufung vom 4. ins 2. Semester) verlor.

    Also begann ich 2005 mit dem Studium zum Bachelor Informationstechnik / Vernetzte Systeme am selben Fachbereich der FHTW Berlin. Dieser Studiengang hat zum Studiengang Technische Informatik sehr ähnliche Inhalte, jedoch andere Prioritäten und Stundenzahlen. Teilweise werden die selben Inhalte einiger TI-Fächer in der ITVS in kürzerer Zeit vermittelt, teilweise werden die Inhalte gekürzt, einige Fächer der TI gibt es in der ITVS nicht (bzw. anders) und einige Fächer der ITVS gibt es in der TI nicht. Insgesamt betrachtet ist dieser Studiengang eigentlich nur deshalb etwas leichter, weil die Professoren dort für die Prüfungen meist etwas niedrigere Anforderungen stellen, als in der TI. In diesem neuen Studiengang kam es jedoch auch wieder zu neuen Problemen: ich bekam nur noch kurzzeitig Bafög, da meine Gesamtstudienzeit bereits zu lang war. Damit steht man vor dem Problem, (mehr) arbeiten zu müssen und dies wiederum ist in diesen Studiengängen schlichtweg tödlich. Nunja, ich bin noch dabei, aber wann ich fertig werde: keine Ahnung ;)

    Noch ein paar wichtige Punkte, die mir im Bereich der Ingenierinformatik-Studiengänge aufgefallen sind:
    1. kaum jemand schafft diese Studiengänge, wenn er Familie und Kinder hat
    2. wer mehr als 10h die Woche arbeitet, schafft es in der Regel auch nicht
    3. wer zumindest ein bißchen nebenbei arbeitet, wird mit einer Studienzeitverlängerung rechnen müssen
    4. wer zu wenig Grundkenntnisse im Informatikbereich hat oder wer seine logischen Fertigkeiten nicht schon zuvor jahrelang trainiert hat, hat’s verdammt schwer
    5. je nach Fach sind bestimmte Ausbildungsberufe aus verwandten Richtungen von enormem Vorteil (z.B. Elektroniker haben es leicht bei E-Technik, Analog-/Digitalelektronik, Computerbasierte Steuerungen usw., Fachinformatiker bei Programmierung, Datenbanken, Mikrocomputertechnik usw.)

    Wer etwas leichteres im Informatikbereich studieren möchte, der sollte Wirtschaftsinformatik, Medieninformatik oder ähnliches studieren ;) Ok, dafür kann er letztendlich weniger und hat nicht ganz so viel Spielraum bei späteren Bewerbungen und Verdienstaussichten …

  2. viemewriffvob

    I’d prefer reading in my native language, because my knowledge of your languange is no so well. But it was interesting!

    Edit by admin: sorry, but while my day only has 24 hours I can’t translate anything into english and cause you leave a Spam-Link I deleted it.

Einen Kommentar schreiben