Debian 4.0 Etch RC1

Vor ein paar Tagen wurde gegenüber der ursprünglichen Roadmap mit etwa 3 Monaten Verspätung der erste Release Candidate des Sarge-Nachfolgers freigegeben. Bei Etch handelt es sich, wie bei Debian externerLink üblich, um den Entwicklungszweig, der unter der aktuellen Version Debian 3.1 Sarge im Testing-Zweig läuft und somit zwar bereits als relativ stabil gilt, aber eben bei dem sich selbst extrem hohe Maßstäbe setzenden Debian-Projekt noch nicht als “stable” eingestuft wird. Die neue Hauptversion, die lange auf sich warten ließ, enthält im aktuellen Release Candidate die Kernelversion 2.6.17. Neu im nächsten Stablezweig werden u.a. die Athlon64-Unterstützung, die Compilersammlung GCC 4.1 sowie der Umstieg bei der X11-Unterstützung (das Window-System) von XFree86 auf X.Org für sein. Außerdem wird das gute alte apt durch secure-apt ersetzt, welches heruntergeladene Pakete mit Hilfe von gpg-Schlüsseln überprüft. Für die Administration werden sich dadurch einige Neuigkeiten ergeben, wie man Schlüssel verwalten kann etc.

Durch die Verzögerung des RC1 bedingt wird der ursprüglich geplante Releasetermin Anfang Dezember diesen Jahres nicht eingehalten werden können. Da außerdem für Etch die Kernelversion auch noch auf 2.6.18 angehoben werden soll, wird noch ein weiterer RC erforderlich sein, der weitere Verzögerungen mit sich bringen wird. Dennoch kann die Debian-Fan-Gemeinde darauf hoffen, dass es Anfang 2007 so weit sein wird - geplant wird aktuell mit Januar, es bestehen aber immer noch Versuche, mit Hochdruck die Qulitätssicherung vorran zu treiben, um evtl. doch noch zum Jahresende das offizielle Etch-Release vornehmen zu können.

Debian führt zum Zweck der Bugreduzierung vor einem Release schon seit Jahren binnen kürzester Zeit zahlreiche “Entwickler-Parties” durch, die als Bug Squashing Parties (BSP) bezeichnet werden. Hierzu treffen sich Entwickler, um gemeinsam und koordiniert den Kampf gegen den Fehlerteufel in den Sourcen aufzunehmen. Gleichzeitig werden für diese Veranstaltungen die Uploads ins Debian-Archiv weniger restriktiv gehandhabt, um den Fremdentwicklern auf den BSPs das Einspielen der Bugfixes zu erleichtern.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil ist inzwischen auch die große Verbreitung der bunten, aktuelleren und auf Debian basierenden Knoppix-Clones. Gerade das Projekt Ubuntu betreibt selbst ein sehr komplexes System zur Qualitätssicherung und pflegt viele Weiterentwicklungen und Fixes auch in die entsprechenden Debian-Archive zurück. Dies verbessert somit auch die Geschwindigkeit der Fehlersuche und Härtung des ursprünglichen Debian-Systems. Auch wenn Knoppix, Ubuntu, Kubuntu usw. durch ihre größere Aktualität vieler Programme weniger Stabilität aufweisen können, als Debian selbst, so erwarten viele normale Anwender jedoch immer möglichst aktuelle Features, wie z.B. das gerade aufkeimende Interesse an (eigentlich sinnlosen) 3D-Desktops zeigt. Trotz der geringeren Qulitätsmerkmale der recht frischen Entwicklungspakete werden diese Distributionen dennoch im Vergleich meist als sicherer und zuverlässiger, als bisherige Microsoftprodukte eingeschätzt.

Nett zu lesen war in diesem Zusammenhang auch folgendes Zitat aus dem Linux Magazin 11/2006:
“Joey Hess versteckte in seinem Blog derweil die ironisch gemeinte Klage, dass Etch Debians Ansehen massiv beschädigen werde. Bei einer Testinstallation habe er einen USB-Stick in den USB-Anschluß gesteckt - und Etch habe ihn nicht nur korrekt erkannt, sondern auch so eingerichtet, dass er benutzbar war. Dies sei, so Hess, nicht das von Debian gewohnte Verhalten beim Hotplugging.” Da ist was dran - das gute alte Bastel-Debian wird “erwachsen” :mrgreen: Ich hatte mir daraufhin einige Mühe gegeben, in Hess’ “Blog” fragliche Stelle aufzuspüren. Aber irgendwie verwendet der Mann ein derart undurchsichtiges Blogging-System, dass dies nicht von Erfolg gekrönt war. Auf jeden Fall kann ich ähnliche Erfahrungen zum USB-Hotplugging auch schon für eine etwa 1 Jahr alte Installation von Debian 3.1 Sarge in unstable/testing bestätigen :)

2 Reaktionen zu “Debian 4.0 Etch RC1”

  1. admin

    Ich habe gerade noch mal einen kleinen Fehler berichtigt: Debian Etch stammt natürlich nicht aus dem Unstable-Zweig der aktuellen Version Sarge. Das ist eine beliebte Fehlinterpretation der Begriffe Stable/Testing/Unstable und auch ich muss da immer wieder mal nachschauen, weil ich’s mir wie viele andere bisher ebenso schwer merken kann :mrgreen: Also noch mal die Erklärung in Kurzform:

    Unterschied Debian Stable Testing Unstable
    Debian Stable: das jeweils aktuelle und als stabil geltende Release, gegenüber den Softwareversionen anderer Distributionen meist veraltet, aber dafür eben sehr stabil. Der Stable-Zweig erhält wärend seiner Lebenszeit (ca. 1,5-2 Jahre) nur wenige Updates und dabei kaum Versionsänderungen bei der Software. Die Updates haben vorrangig Sicherheitshintergründe.
    Debian Testing: der Entwicklungszweig des nächsten Stable-Zweiges, der bereits relativ gut (in der Unstable) getestet ist, aber eben für die hohen Ansprüche bei Debain noch nicht als stabil eingestuft wird. Dieser Debian-Zweig bekommt in der Regel reichlich Updates, einige Monate vor dem Übergang dieses Zweiges in die Stable-Version gibt es ein Feature-Freeze und entsprechende Release Candidates, wie im obigen Artikel erwähnt.
    Debian Unstable: die ganz frischen Pakete, die oft noch reichlich Bugs enthalten und ständig aktualisiert werden. Das ist der eigentliche Development-Zweig, der deshalb auch als Unstable bezeichnet wird. In diesem Zweig kann man schon bei recht kleinen Debian-Installationen mit grafischer Oberfläche durchaus alle paar Tage über 100MB Updates per apt-get bekommen. Logisch, dass das Ergebnis nicht immer rund läuft und mitunter reichlich Nacharbeit erfordert ;)

    Wenn man sich die Erklärungen mal genau anschaut, kann einem folgende Eselsbrücke vielleicht weiterhelfen: der erste Schritt ist die Entwicklung und das Ergebnis ist regelmäßig instabil (unstable). Danach wird getestet (testing), bevor wir letztendlich etwas stabiles (stable) bekommen.

  2. Alikulov

    Debian has PHP 5.4 and Apache 2.4 in experimental, but not lipabache2-mod-fcgid nor lipabache2-mod-php so I can’t really test it. I’m not sure why upgraded several of the Apache modules, PHP and Apache itself, and not any way to use PHP with Apache 2.4.

    Edit by admin: What do you want to tell me with this?

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