Linux Dateisysteme im Kernel 2.6.19

Die nächste Kernelversion 2.6.19 wurde überraschend vor wenigen Tagen von Linus Torwalds um den Nachfolger von ext3 erweitert. Obwohl die Aufnahmephase für größere Änderungen in der Entwicklung des neuen Kernels theoretisch bereits vorbei war, da schon Vorabversionen (2.6.19-RC1) veröffentlicht wurden, fand ext4 diesen unüblich späten Einzug in die nächste Kernel-Version. Bestehende ext3-Versionen lassen sich mit ext4 mounten und auf das neue Dateisystem erweitern, so dass dessen neue und umfangreiche Funktionalität auch auf ältere Partitionen Anwendung finden kann. ext4 ist ein 64-Bit-Dateisystem und unterstützt somit 1 Exabyte (=1024 Petabyte) große Datenträger. Hierbei kann ext4 auch Laufwerke zusammenfassen und durch die damit verbesserte Integration einen Beitrag zur einfacheren Verwaltbarkeit derart gigantischer Speichermengen leisten.
Viele der Programme, die zur Wartung und Diagnose notwendig sind, müssen auf die ext4-Funktionalität angepaßt werden, weshalb ein Austausch dieser Tools notwendig ist. Einige der neuen Funktionen sind auch noch nicht abschließend entwickelt, kleinere Anpassungen stehen noch bevor.

Besonders merkwürdig ist die plötzliche Aufnahme des erst in diesem Sommer bekannt gewordenen neuen Dateisystems bei der Betrachtung, dass das schon seit über 2 Jahren fertiggestellte Reiser4 immer noch nicht in den Kernel integriert wurde. Sehr wahrscheinlich wird Reiser4 zwar in die nächste Kernelversion Einzug finden, allerdings steht das Entwicklungsteam von ReiserFS momentan vor dem Problem, dass der Namensgeber Hans Reiser als Chef der Firma, welche ReiserFS entwickelt, kürzlich unter Mordverdacht in den USA verhaftet wurde.
Dadurch bedingt, dass Reiser4 immer noch nicht im aktuellen Kernel Einzug gefunden hat, offenbart sich für ReiserFS ein weiteres Problem. SuSE (Novell) als bekanntester Distributor, der als Standard bisher nicht auf ext3 sondern auf ReiserFS setzte, wird mit SuSE 10.2 auf ext3 umsteigen. ReiserFS war das erste im Linux-Kernel integrierte Journaling-File-System, welches gerade in seiner Anfangszeit vielerlei Probleme verursachte, inzwischen zwar ausgereift ist, jedoch gerade durch die bisher schwache Unterstützung für Reiser4 im Nachteil gegenüber den aktuellen ext-Varianten ist.

Die wichtigsten Dateisysteme, die somit demnächst in Kernel 2.6.x verfügbar sein werden, sind also die folgenden:

  • ext2, ext3, ext4 (wobei ext4 auch ext3-Partitionen im Kompatibilitätsmodus unterstützt, daher könnten die älteren Versionen evtl. demnächst entfallen)
  • reiserfs (Reiser4 wahrscheinlich ab 2.6.20)
  • jfs, xfs
  • iso9660, msdos, vfat, ntfs (ro)
  • GFS2, OCFS2 (Cluster-Dateissysteme, Global File System 2 erst seit 2.6.19, Oracle Cluster File System 2 seit 2.6.16)

Eine Reaktion zu “Linux Dateisysteme im Kernel 2.6.19”

  1. admin

    Für weitere Informationen sind folgende Quellen ganz hilfreich:

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/79348 - einiges zu ext4 und diverse integrierte Links zu anderen oben angesprochenen Themen

    http://www.kubieziel.de/computer/halloween-german.html#fs - Dateisysteme im 2.6er Kernel, nicht auf dem aller aktuellsten Stand, aber trotzdem eine sehr gute Übersicht

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